Vor Weihnachten kam Herr Ghani zu Schulleiter Meffert und fragte, ob er in irgendeiner Form der Schule helfen könne. Herr Ghani ist Agrar-Ingenieur aus Pakistan, der mit seiner Familie als Flüchtling in Wirges lebt.

Seit Januar kommt Herr Ghani in den Chemie-Unterricht, wenn Chemie-Lehrerin Frau  Sun ihn um Assistenz bittet.  Er hilft bei Lerner-Experimenten, räumt die Materialen weg und hört auch im Unterricht zu, da er auch fleißig deutsch lernt. Der Raiffeisen-Campus revanchiert sich, indem zwei Lernerinnen regelmäßig mit zwei Töchtern der Familie Ghani Deutsch üben, damit sie schneller und besser integriert werden können.

Der Raiffeisen-Campus richtet den Blick in die Welt und auf das Weltgeschehen, sodass die Lernerinnen und Lerner die reale Welt hautnah kennen lernen und  wissen, dass der Wohlstand bei uns keine Selbstverständlichkeit ist.

Im Erdkundeunterricht am Raiffeisen-Campus geht es nur sehr selten um Topographie und das reine Zuordnen von Buchstaben und Namen von Städten und Ländern. So erarbeiteten sich die Klassen 7a und 7b im Erdkunde-Bili-Unterricht von Frau Klein beispielsweise die Entstehung von Wind anhand von kleinen Experimenten.

Wohin zeigt die Flamme eines Teelichts, wenn man ein Fenster öffnet? Zieht die kalte Luft von draußen nun eigentlich herein oder geht die Wärme des Raums verloren, weil sie nach außen strömt? Genau wie bei großen Windsystemen geschieht beides gleichzeitig, abhängig vom Standort. So herrscht in der Nähe der Erdoberfläche eine andere Windrichtung als in der Höhe. Aber wieso bewegt sich die Flamme überhaupt? Um diese Frage zu beantworten, wurde ein Luftballon aufgepustet. Im Luftballon herrscht ein höherer Luftdruck als in der Umgebung, und wenn man einen Finger vor die Öffnung des Ballons hält, wird klar: Die Luft bewegt sich vom Hochdruck zum Tiefdruck!

Mit diesem Hintergrundwissen eigneten sich die Lernerinnen und Lerner anschließend mit der Innertropischen Konvergenzzone eines der bekanntesten Windsysteme der Erde an. Da solche Experimente besonders einprägsam und die Grundlagen von Windsystemen in dieser Form sicher noch in Jahren im Gedächtnis sind, wird am Raiffeisen-Campus möglichst oft mit Hilfe solcher spielerischen Entdeckungsreisen unterrichtet. Denn nur wer ausprobiert, selbst entdeckt und so ein Aha-Erlebnis verspürt, lernt!

Schon ab Klasse 5 ist eines der Hauptziele am Raiffeisen-Campus, dass die Lernenden verschiedene Methoden üben, um Verantwortung für den eigenen Lernprozess zu übernehmen: Das Lernen können wir unseren Lernenden zwar nicht abnehmen, aber wir können ihnen verschiedene Lernmethoden anbieten.

Nehmen wir als Beispiel den Englischunterricht: Einer der Grundsteine des Spracherwerbs ist der Wortschatz, denn ohne Wörter können wir nicht sprechen. Aber wie oft haben Sie schon mitbekommen, dass Ihr Kind Probleme beim Vokabellernen hat? "Übung macht den Meister", sagt ein deutsches Sprichwort. Aus diesem Grund hat Frau Salvador vor zwei Wochen ein Ritual in den Englischstunden der Klassen 5 eingeführt: Die ersten zehn Minuten dienen dazu, mit dem Karteikarten-System Vokabeln zu lernen bzw. zu wiederholen. Die Lernerinnen und Lerner haben schnell gemerkt, wie gewinnbringend das stetige Lernen und Wiederholen ist. Schritt für Schritt funktioniert es einfach besser, als alle Vokabeln auf einmal lernen zu wollen.

Möglich wird dieses Ritual auch deshalb, weil die Schulstunden am Raiffeisen-Campus 60 statt 45 Minuten betragen und somit kein Zeitdruck herrscht.

Mit den Projekttagen zum Erwerb ökonomischer Grundbildung als Fundament für praxisnahe ökonomische Kompetenz haben wir eine Antwort auf die aktuelle Debatte rund um den Tweet den Schülerin Naina: Einen ganzen Ganztagsschultag lang erarbeiteten sich die Lernenden der Klassen 8 und 7 zum vierten bzw. dritten Mal im Rahmen eines Lernzirkels ökonomische Grundbegriffe und Zusammenhänge eigenverantwortlich in teilweise klassenübergreifenden Kleingruppen.

So haben sie am Beispiel eines Frühstückeis den Unterschied zwischen Inflation und Deflation kennen gelernt oder erfahren, welch langen Weg beispielsweise die eigene Jeans bzw. Zahnbürste rund um den Globus zurück gelegt hat. Außerdem haben die Lernenden erfahren, dass es Länder gibt, in denen Kinder arbeiten müssen oder in denen es Arbeitern schlecht geht. Die Lernenden haben teilweise eine Insolvenz und ihre Folgen auch auf emotionaler Ebene nachempfunden. Andere wiederum haben mitgenommen, dass sie mit Geld sorgsam umgehen sollen, was der Unterschied zwischen Brutto und Netto ist und vieles mehr. In jedem Fall Grund genug, sich am Ende des Tages bei der Projektverantwortlichen Frau Hartung zu bedanken und mehr Möglichkeiten zu wünschen, sich vielfältige Themen blockweise eigenverantwortlich erarbeiten zu können.

So der Titel des Workshops mit "unserem" Referenten Wolfgang Enders, der erneut aus St. Blasien gerne nach Dernbach gekommen war, um mit den über 100 angemeldeten Eltern und Lehrern intensiv ins Gespräch darüber zu kommen, welche Art der Unterstützung unserer Lernerinnen und Lerner im häuslichen Umfeld eigentlich zielführend sein kann. Auch das vollständig anwesende Lehrerteam am RC lauschte dem erfahrenen Lernexperten Endres und freute sich, dass die Praxis der Elternarbeit am Raiffeisen-Campus den hohen Anforderungen des Referenten in den allermeisten Bereichen bereits Genüge tut. Was man von Endres lernen kann? Die innere Gelassenheit im Umgang mit Kindern gepaart mit einer Ernsthaftigkeit, die aber nie bierernst daher kommt, aber glasklar vermittelt, dass Erziehungsarbeit wichtig ist, damit Bildung gelingen kann.

Diese Frage stellten sich und diskutierten die Lerner der Klasse 7b im Rahmen der Erarbeitung eines Beitrages für den EU-Wettbewerb, der eingebettet in den Geschichtsunterricht erarbeitet wurde.

Jeder hat ein Recht auf Bildung: Ausgehend von dieser Aussage machten sich die Lerner in Gruppen darüber Gedanken. Schnell war allen klar, dass es immer noch Länder auf der Welt gibt, in denen das (noch) nicht zutrifft und viele Kinder ohne Schulbildung ihr Leben gestalten müssen. Eindringlich wurde dies auch durch Herrn Klein vor Augen geführt, der Einblicke in eine Schulgründung in Afrika gewinnen konnte und so vom bildungspolitischen Alltag berichten konnte. Nun war es nicht auch mehr weit bis zum konkreten Wettbewerbsthema: „Baue eine Schule in einem Entwicklungsland und überlege, was die Kinder dort lernen sollen“.

Mit großem Engagement machte sich die 7b an die Arbeit. Besonders die Frage nach den Unterrichtsinhalten wurde intensiv diskutiert und so unterschiedlich die einzelnen Gruppen und ihre Ergebnisse waren, eines hatten sie alle gemeinsam: Ziel muss es sein, Hilfe zur Selbsthilfe zu geben. Und damit leben unsere Lerner am Raiffeisen-Campus ein Stück Raiffeisen, der sich für das Wohl der Bedürftigen einsetzte und den hohen Stellenwert von Bildung für eine bessere Zukunft der Menschen erkannte und auch durch Schulgründungen einen Beitrag dazu leistete.

Was macht man, wenn die Lernzeit sich an grauen Winternachmittagen in die Länge zieht und das konzentrierte Arbeiten an den Aufgaben schwer fällt? Klar: eine Pause mit Spiel, Spaß und Bewegung. Hier kommt den Klassenleitungen, die in erster Linie in den Lernzeiten eingesetzt sind, zugute, dass sie wie alle anderen Kollegen lions-quest zertifiziert sind.

Schnell war also von der Klasse 5b zusammen mit Frau Maier ein energizer aus dem lions-quest-Programm ausgewählt, das Klassenzimmer umgeräumt und der Startschuss für "zipp, zapp, zupp" gegeben, eine Mischung aus einem Koordinationsspiel und Reise nach Jerusalem. Diese kreative Übung, die müde Klassen munter macht und die Lerner wieder zur Konzentration bringt, hat seine Wirkung nicht verfehlt: Schon bald konnte es beschwingt und konzentriert mit der Lernzeit weitergehen.

 

 

Am Ende des ersten Halbjahres wurde im Deutschunterricht von Frau Maier in der Klasse 5b kurz innegehalten und zurückgeblickt. Die Lerner stellten sich die Frage, was sie eigentlich gelernt haben und strukturierten so für sich den Lernstoff, damit den Lerner eben genau das nicht passiert, nämlich den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr zu sehen.

In der Praxis sah das so aus, dass die Lerner in Zweierteams alles sammelten, was ihnen noch im Gedächtnis war, und ein Büchlein zu basteln und das mit Inhalt zu füllen.  Schnell erkannte jeder, was die großen Themen des Unterrichts waren und jeder unterschied sicher zwischen den grundlegenden und den zusätzliche Informationen – und wer das kann und auf dem Weg zum Abitur weiter Sicherheit gewinnt, ist gut auf ein Studium oder eine Berufsausbildung vorbereitet. Diese Übung soll aber auch im Hier und Jetzt dafür sorgen, dass die Lerner nachhaltig lernen und den Überblick über die Fülle des Lernstoffs bewahren: Qualität statt Quantität eben.

Mit einem kräftigen "helau" begrüßte Kinderprinzessin Nele I. die Lerner in der Aula und läutete damit einerseits den schulischen Endspurt vor den Karnevalsferien und andererseits den Höhepunkt der närrischen Tage ein.

Herr Malherbe führte mit Witz durch das kleine Karnevalsprogramm, dessen Auftakt die Rede der Faschingsprinzessin war. Die Tanzeinlage der kleinen Gardegruppe brachte anschließend Schwung und gute Laune in die Aula. Zum Schluss gab es schließlich noch die nahezu obligatorischen Kamelle. Uns hat es sehr gefreut, dass Nele I. ihre Schule besucht hat und wünschen nun einen tollen Endspurt. Darauf ein dreifach donnerndes "Wirges helau"!

Nein, in der AG Sanitätsdienst lernen die Lerner nicht, wie sie sich bei späteren Discobesuchen verhalten sollen, ihnen begegnete dieses (Disco-)Prinzip bei der Bewusstseinskontrolle, wenn sie eine Person auffinden.

Unterstützt von Herrn Marcel Bill vom Malteser Hilfsdienst drehte sich bei den zukünftigen Schulsanitätern und Frau Maier im Rahmen des zu absolvierenden Erste-Hilfe-Kurses alles um die stabile Seitenlage. Welche Voraussetzungen müssen erfüllt sein, wie kann es überhaupt dazu kommen und was muss beachtet werden? Und schließlich wurde es praktisch: In Zweierteams brachten sie sich gegenseitig in die stabile Seitenlage und sind nun zum einen einen Schritt weiter auf dem Weg zum Schulsanitätsdienst und zum anderen sind die Lerner nun in der Lage einer bewusstlosen Person zu helfen.