und ich sage Dir, welche Pädagogik dort stattfindet – ein Klassenraum verrät aber natürlich auch viel über das Land, in dem er sich befindet. Auf diese kurze Formel könnte man das Ergebnis der Fotografien des Engländers Julian Germain bringen, der in einer faszinierenden Arbeit 450 Klassenräume weltweit fotografierte. Übrigens finden sich einige Stücke seiner Arbeit in der Ausstellung der DZ-Bank in Frankfurt, die wir im letzten November besichtigen durften.

Die Wochenzeitung "Die Zeit", der wir fortlaufend eine für Kinder und Jugendliche interessante Auswahl an Artikel verdanken (rechte Spalte auf der Seite Aktuelles), hat in einer Fotostrecke acht Fotografien von Julian Germain ausgewählt und veröffentlicht. Schauen Sie selbst und vergleichen Sie sie die Fotografie mit der beigefügten aus unserer Schule…

In der ersten Schulwoche im Januar war unser FSJ-Team Madeleine Müller und Johannes Meurer in Sachen Sinneserfahrung und Dramaturgie unterwegs. Während ihres Januarseminars, das sie im Rahmen des „FSJ Ganztagsschule“ absolvieren durften, bekamen sie Einblicke in ganz besondere Bereiche der Pädagogik:

Madeleine Müller bewies Gefühl im Workshop Sinnespädagogik. Hier galt es vor allem, jeden einzelnen Sinn, wie das Hören oder Fühlen, separat voneinander zu erfahren und auf eine ganz neue Art und Weise kennen zu lernen. Im Mittelpunkt stand aber genauso das Zusammenspiel aller wichtigen Sinne. Werden einem zum Beispiel beim Vorlesen eines Textes die Augen verbunden, so verschärft sich der Hörsinn um ein Vielfaches.
In einem Geschmackslabyrinth mussten sich die Teilnehmer des Workshops alleine auf das Können ihrer Nase und Zunge verlassen. Nur so fand man auch den richtigen Weg zum Ausgang.
Die beiden Erlebnispädagogen, die für diesen Kurs die Leitung übernahmen, machten aus den FSJlern richtige Experten auf ihrem Gebiet. So gut, dass sie ihr Gelerntes eigenständig an die neugierigen Besucher aus den anderen Kursen weitergeben konnten.

Zur gleichen Zeit beschäftigte sich Johannes Meurer mit Theaterpädagogik. Gecoacht von einem professionellen Schauspieler und Theaterregisseur wurden den Teilnehmern dieses Workshops die hohe Kunst der Dramaturgie näher gebracht – ob bei einem kreativen Auftritt, wie beispielsweise den sogenannten „Abklatschimpros“ oder durch eine selbstbewusste kräftige Stimme beim Schmettern einer Opernarie. In selbst inszenierten Szenen konnte jeder seine eigenen Ideen einbringen und seine künstlerische Ader unter Beweis stellen. Nach drei Tagen harten Schauspieltrainings wurde der Workshop donnerstags mit der Inszenierung von Shakespeares „Sommernachtstraum“ gekrönt. An nur einem Tag brachten die Nachwuchsschauspieler das über 400 Jahre alte Stück auf die kleine Bühne. Zwar wurde sich „nur“ an der Handlung orientiert und die Texte selbst erdacht, dennoch ist dies mit 28 Leuten eine beachtliche Leistung.

Wir bedanken uns ganz herzlich beim Kulturbüro Rheinland-Pfalz, das diese Erfahrungen für junge Menschen in den vielen abwechslungsreichen Seminaren immer wieder möglich macht.

"Zeugnistag" ist für viele Erwachsenen kein Begriff, der freudige Assoziationen auslöst. Am Raiffeisen-Campus finden wir Leistung gut und honorieren sie – gleichzeitig schätzen wir aber die Lernerinnen und Lerner, die weniger gute Leistungen erbringen (können), als Mensch genauso sehr wie die Leistungsstarken.

Um zum Ausdruck zu bringen, dass am Zeugnistag nicht nur diejenigen im Vordergrund stehen, die ein 1er-Zeugnis nach Hause bringen, hatte sich die Schulleitung entschieden, auf Vorschlag der Klassenleiterinnen einen Fairness-Preis zu vergeben. Direktor Meffert ging in seiner kleinen Ansprache vor den knapp hundert Lernerinnen und Lernern auf den Wert von Fairness ein: "Jean Jaques Rousseau war ein wichtiger Philosoph, also jemand, der die Weisheit und die Wahrheit liebt. Er hat einmal gesagt: ‘Nur dadurch, dass man das Gute tut, wird man gut.’ Das will ich heute auch Euch sagen. Nicht derjenige ist heute der beste Lerner, der das beste Zeugnis hat, sondern derjenige der das Gute tut, ist wirklich gut. Für den Erfolg und das Glück im Leben ist der Fairness-Preis heute wichtiger als ein gutes Zeugnis. Wer im Leben zusammen mit anderen den Erfolg sucht statt gegen sie, dem werden andere stets ein gutes Zeugnis ausstellen", so der Schulleiter. Als kleine Anerkennung erhielten die vier ausgezeichneten (im doppelten Sinne) Lernerinnen und Lerner Mara, Nele W.,  Mark-Aurel und Johannes ein Buch von Isabel Abedi.

Im Anschluss gab es für die alle Lernerinnen und Lerner aus der Hand ihrer Klassenleiter die Zeugnisse des ersten Halbjahres. Herr Meffert betonte den Stellenwert des Zeugnisses: "Das Halbjahreszeugnis ist so wichtig oder unwichtig wie der Halbzeitstand beim Fußballspiel. Es motiviert zum Durchhalten oder Gasgeben, entscheidend ist aber das Ganzjahreszeugnis, das deshalb die Noten des zweiten Halbjahres wichtiger nimmt als die des ersten. Jeder hat also die Chance, sein Zeugnis im Sommer zu verbessern oder die Pflicht, seinen Leistungsstand zu halten."

Die kleine Feierstunde endete mit der Übergabe der Kreuze für die Klassenräume. Die Lernerinnen und Lerner der sechsten Klassen hatten im letzten Jahr Entwürfe gefertigt, die der angefragte Schreiner aber leider aus terminlichen Gründen nicht rechtzeitig liefern konnte. So entschied sich die Schulleitung für dieses kleine, ökumenische Kreuz des Künstlers Andreas Kasparek aus Hamburg, der dem Entwurf der Lernerinnen und Lerner recht nahe kommt.

… und was würden dann zwei Welten kosten? Das Thema Proportionalität machte der Klasse 5a im Mathematikunterricht von Herrn Wagner besonderen Spaß. Das Zusammenspiel von innovativem Lehrbuch (Lernumgebungen, Klett-Verlag), mobilen Tischen und elektronischer Tafel macht das gemeinsame entdeckende Lernen in Mathematik besonders leicht. Gut, dass sich die Lernerinnen und Lerner vorher mit dem Thema Größen mit Komma auseinandergesetzt hatten. So konnten sie dies hierbei gleich einmal anwenden. In der darauffolgenden Stunde wurden ganz geduldig eintausendeinhundertundzehn Wassertropfen gezählt, aber das ist eine andere Geschichte …

 

Religionsunterricht kreativ: Gleichnisse sind eine zentrale Textsorte im Neuen Testament. In einer Bildsprache erläutert Jesus seinen Freundinnen und Freunden, wie er das Reich Gottes schon hier und jetzt beginnen, wie er eine bessere, göttlichere Welt befördern will und wie sie, seine Mitmenschen, mithelfen können, dieses Ziel zu erreichen.

Im Religionsunterricht von Frau Berleth und Herrn Meffert suchten sich die Fünftklässler aus der Liste der Gleichnisse eines aus und setzten es kreativ um. Dabei entstanden Bilder, Spielszenen und vieles mehr, wie die Fotos belegen. Der geneigte Leser darf gerne versuchen zu erraten, welches Gleichnis jeweils gerade dargestellt wird…

Im Anschluss hatten alle Vierergruppen die Aufgabe, zusätzlich eine Interpretation "ihres" Gleichnisses zu versuchen. Erfreulich: Die Sextanerinnen und Sextaner verstanden mit etwas Unterstützung, dass der Reich-Gottes-Gedanke im Mittelpunkt der Gleichnisse, Parabeln und Allegorien Christi steht. Das ist auch heute noch aktuell: Wer sich als Christ versteht, der darf diese Welt nicht so verlassen, wie er in sie hineingeboren wird. Christen sind, im wahrsten Sinne des Wortes, Weltverbesserer. So zum Beispiel unser Namensgeber, der evangelische Christ Friedrich Wilhelm Raiffeisen.

Lyrik live und kreativ am Raiffeisen-Campus: Dass man Gedichte nicht nur auswendig lernen und man mit Wörtern und Buchstaben sogar spielen kann,  dies erproben gerade die Klassen 5a und b im Deutschunterricht von Frau Maier.

Im Rahmen der Stunden zur Lyrik erhielten die Lernerinnen und Lerner den Auftrag, ein beliebiges Wort nur mit den Buchstaben, die eben dieses Wort enthält, nachzubilden. So galt es zum Beispiel, ein Haus mit den Buchstaben H, A, U, S auf dem Blatt entstehen zu lassen ohne weitere Linien zu benutzen. Hört sich zunächst kompliziert an, ist es auch, doch beide Klassen zeigten bei der praktischen Umsetzung erstaunlich viel Kreativität und Spaß.

Einmal mehr wurde damit deutlich, was man mit Sprache alles machen und wie viel Freude man mit einer kreativen Auseinandersetzung mit ihr haben kann – einmal ganz ohne Rechtschreib- und Grammatikregeln, lediglich der eigenen künstlerischen Freiheit verpflichtet.

Maike, unser Sammeldrache von Interseroh, brachte Spielzeuge vorbei und deshalb möchten wir uns im Namen der Lernerinnen und Lerner bei allen bedanken, die mit geholfen haben, leere Tinten- und Tonerpatronen zu sammeln. Für die erhaltenen Punkte gab es jetzt neue Spielsachen für die Pause. Die Lernerinnen und Lerner konnten sich unter anderem über 21 verschiedene Bälle freuen. Dank auch an unsere fleißigen FSJler Madeleine Müller und Johannes Meurer, die sich um die Abholung und Aufstellung neuer Sammelboxen kümmern.

Auch im Jahr 2013 geht die "Sammeldrachenaktion" weiter. Wir bitten Sie daher uns auch in diesem Jahr dabei so großartig zu unterstützen. So können wir alle ganz nebenbei einen kleinen Beitrag zum Umweltschutz leisten.

Es gibt eigentlich jeden Tag Grund, Dank zu sagen den Kolleginnen und Kollegen an den Primarschulen. Denn deren Vorarbeit mit unseren Lernerinnen und Lernern ist es zu verdanken, dass wir so eine motivierte und leistungsstarke Lernerschaft haben, denen wir jetzt in gleicher Weise gerecht werden wollen. Deshalb hatte das Team am Raiffeisen-Campus schon lange nach einem Weg gesucht, sich einmal auch mit einer symbolischen Geste zu bedanken. Als dann Dr. Feld als NaWi-Lehrer auch in diesem Jahr mit den Kindern eine Winterfütterungsaktion durchführte, damit unsere Sextaner die heimischen Singvögel und deren Lebensbedingungen besser kennen lernen, da kam uns die Idee, die Grundschullehrer einzuladen, sich am Raiffeisen-Campus dieses von Dr. Feld entwickelte und mit den Kindern erprobte Konzept und die dazu notwendigen Materialien einfach abzuholen. Dort, wo das terminlich nicht möglich war, organisierte Frau Düring, Frau Kronimus, Frau Berleth, Frau Piwowarsky, Frau Stricker-Dyer,  Frau Müller, Herr Meurer sowie viele Lerner und Lernerinnen die Auslieferung an die Grundschulen Haiderbach, Wittgert, Pfarrer-Giesendorf-Schule, Dernbach, Astrid-Lindgren-Schule, Ransbach-Baumbach, Joseph-Kehrein-Schule, Montabaur, Overberg-Grundschule, Siershahn, Evangelische Grundschule Mogendorf/Nordhofen, Mogendorf, Sonnenfeld-Grundschule, Hilgert, Grundschule am Ahrbach, Ruppach-Goldhausen, Ahrbach-Grundschule, Niederahr, Theodor-Heuss-Grundschule, Wirges, Kastanienschule – Grundschule, Welschneudorf, Grundschule „Am Hähnchen“, Niederelbert, Eisenbachtal-Grundschule Girod, Girod, Grundschule im Buchfinkenland, Horbach, Pfarrer-Toni-Sode-Grundschule, Nentershausen, Grundschule Weroth, Weroth, Grundschule Kaden, Kaden, Goetheschule Höhr-Grenzhausen, Höhr-Grenzhausen, Waldschule Montabaur-Horressen, Montabaur und an die LGS Landesschule für Gehörlose und Schwerhörige, Neuwied.

Überall trafen die Boten auf begeisterte Kinder und dankbare Kollegen, obwohl es ja eigentlich unser Ansatz war, einmal Danke zu sagen. Den Kindern an den Grundschulen wünschen wir viel Spaß mit ihrem eigenen Winterfütterungsprojekt im Raiffeisen-Campus-Stil.

Für die Statistiker hier die Liste der Materialien, die wir den 20 Grundschulen zur Verfügung stellten: 25 KG Sonnenblumenkerne, 52 Meisenknödel, 30 Futternetze mit Erdnüssen,  20 Futterhäuschen, 20 Unterrichtseinheiten und Gutscheine über 120 Meisenknödel, die wir vom Zoo-Markt Roby in Wirges zur Verfügung gestellt bekommen haben (dafür herzlichen Dank!).

Handys sind am Raiffeisen-Campus unsichtbar. Nein, wir haben keine neue Technologie entwickelt, die Mobiltelefone dem Augenschein entzieht und wir sind auch keineswegs technikfeindlich – ganz im Gegenteil, wie unsere diversen Internetportale und die ans Internet angeschlossenen elektronischen Tafeln in jedem Klassenraum beweisen. Wir haben uns sogar kürzlich intensiv und interdisziplinär mit diversen Aspekten des Mobiltelefons beschäftigt (s. Artikel zur Rohstoffexpedition.

Wir halten aber die persönliche Kommunikation zwischen wirklichen, anwesenden Menschen für wichtiger und auch für spannender und verbannen deshalb von 8-16 Uhr die Handys der Lernerinnen und Lerner in die Spinde. Warum diese auf den ersten Blick strenge Regel bildungsförderlich ist, das belegt eine lesenswerte Reportage auf Spiegel Online.

Für diejenigen, die nicht die Zeit haben, den Artikel ganz zu lesen, hier zwei der pointiertesten Passagen. Lehrer Andreas Hambourg schreibt: “Wir machen etwas Schönes zusammen, aber jeder hat so ein Smartphone, das immer wichtiger ist als der eigentliche Moment.” Der Moment, die Wirklichkeit des Zusammenlebens, das sehen auch wir so, darf nicht von einer kleinen Maschine entwertet werden.

Und Benedict, ein 15jähriger Schüler führt aus: “Manchmal hält mich das Handy von wichtigen Aufgaben ab. Es ist eben sehr einfach, sich so abzulenken. Deswegen muss ich auch aufpassen, dass ich nicht zu oft damit rumhantiere. Im Unterricht etwa: Ich denke immer, dass es nur 30 Sekunden dauert, auf das Handy zu gucken und zurückzuschreiben. Doch es dauert immer länger.”

Damit Sie uns nicht falsch verstehen: Wir finden Handys durchaus praktisch und es ist legitim, dass Kinder, vor allem Fahrlerner, ein Handy dabei haben. Wie sollten sie auch sonst ihre Eltern erreichen, wenn ein Bus verpasst wurde. Aber der Raiffeisen-Campus ist ein Ort der Bildung und der Begegnung. Und auch ohne Handy jeden Tag spannend genug…

Madeleine Müller und Johannes Meurer absolvieren in diesem Jahr ihr freiwilliges soziales Jahr am Raiffeisen-Campus und niemand im Team möchte auch nur einen Tag auf ihr großartiges Engagement verzichten. Aber auch ihr Engagment währt nur ein Jahr und so dürfen wir heute schon darauf aufmerksam machen, dass wir auch in diesem Jahr zum 1. August wieder zwei Stellen besetzen möchten. Bewerbungsinfos und alle Informationen finden Sie auf der HP des Kulturbüros, Sie können aber auch einfach unter andrea.hartung@raiffeisen-campus.de einen Gesprächstermin mit der FSJ-Mentorin Frau Hartung und den aktuellen FSJlern vereinbaren…