Traditionell besuchen die Landtagsabgeordneten am 9. November die Schulen in ihrem Wahlkreis. Dieses Jahr kamen die Politikerinnen Frau Gabi Wieland (CDU) und Frau Dr. Tanja Machalet (SPD) zum Raiffeisen-Campus (Dernbach). Mit den Lernerinnen und Lernern der beiden 9. Klassen diskutierten sie aktuell wichtige Themen im Land Rheinland-Pfalz: Schulpolitik, Polizeigewalt und Flüchtlingspolitik waren einige der zentralen Themen. Die beiden Landespolitikerinnen rotierten in verschiedenen Diskussionsgruppen und standen als kompetente Ansprechpartnerinnen für Fragen, Ideen und allgemeine Informationen Rede und Antwort.

Nachdem die Lernerinnen und Lerner ihre Arbeitsergebnisse vorgestellt hatten, nahmen die Landtagsabgeordneten Stellung zu den genannten Themen. Im Hinblick auf die Schulpolitik wurde Konsens darüber hergestellt, dass ein einheitliches Abitur in Deutschland eingeführt werden sollte, um eine bessere Vergleichbarkeit zu ermöglichen. Insbesondere zur aktuellen Flüchtlingspolitik hatten die Lernerinnen und Lerner viele Fragen an die beiden Politikerinnen. Wieland und Machalet waren sich einig, dass die Aufteilung der Flüchtlinge geordnet erfolgen müsse,  sie wiesen jedoch darauf hin, dass man sich noch in einem Lernprozess befinde.

Die Landespolitikerinnen integrierten die engagierten Ausführungen der Lernerinnen und Lerner zu verschiedenen Gesetzesinitiativen (Polizei, Bildung, Flüchtlinge) in ihre Antworten und bedankten sich für die guten Beiträge der Kinder.

Der Besuch von Frau Wieland und Frau Dr. Machalet ermöglichte unseren Lernerinnen und Lernern einen direkten Austausch mit Landespolitikerinnen. Am Ende waren sich alle Beteiligten darin  einig, dass sie voneinander gelernt haben. Den beiden Landtagsabgeordneten und unseren Lernerinnen und Lernern der 9a und 9b möchten wir an dieser Stelle herzlich danken.

 

 

 

Flüchtlinge – Fluch oder Segen für Deutschland? Müssen wir Angst vor der aktuellen Situation haben? Wie verläuft die Asylsuche im Westerwald? Was können wir tun, damit es hier gut läuft und eine gute Integration gelingt? Alles Fragen, welche die Lernerinnen und Lerner des Raiffeisen-Campus in Dernbach den zahlreichen Referenten der Diskussionsrunde zu ihrer Themenwoche "Flucht und Vertreibung" stellten. Zu Beginn der Gesprächsrunde präsentierte der Fotojournalist Herbert Piel seine Bilder von Flüchtlingsunterkünften in Rheinland-Pfalz, die er in den letzten Monaten besucht hat. Beeindruckende sowie erschreckende Fotos sahen sich die 230 Lernerinnen und Lerner sowie ihre Lehrer und weitere Gäste in knapp 15 Minuten im Forum an.

Nach diesem emotionsgeladenen Einstieg begrüßte Schulleiter Bernhard Meffert die folgenden Gäste: Frau Zahra Deilami (Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Mannheim), Herrn Dr. Andreas Nick MdB (CDU), Frau Inge Rocco (Flüchtlingskoordinatorin und Pastoralreferentin St. Peter in Ketten), Herrn Detlef Dillmann (ehemaliger Leiter der Caritas WW-Rhein-Lahn) sowie Herrn Winfried Manns (Gemeinde-und Städtebund RLP).

Kein Flüchtling verlässt ohne Grund seine Heimat. Mit dieser Aussage startete die Diskussionsrunde und jeder der Gäste erklärte aus seiner persönlichen Sicht, aus welchen Gründen er sich vorstellen könnte, aus seiner Heimat zu fliehen. Die verschiedenen Antworten ließen sich auf einen gemeinsamen Nenner bringen, der in dem zentralen Begriff "Freiheit" seinen Ausdruck fand. Krieg und die fehlende Sicherheit im eigenen Land sind auch die Gründe des aktuellen Flüchtlingsstroms.

Doch was ist in der aktuellen Lage konkret zu tun? Diese Frage stellte Schulleiter Meffert den Referenten. Es sei wichtig, nicht über die Köpfe der Flüchtlinge hinweg zu entscheiden, sondern die einzelnen Schicksale sowie die unterschiedlichen Begabungen anzuerkennen, erläuterte Inge Rocco und verknüpfte dies mit einigen Erlebnissen aus ihren täglichen Begegnungen. Die Beachtung der Würde des Menschen, so wie sie im Grundgesetz verankert ist, stand im Zentrum des Gesprächs. Detlef Dillmann betonte, wie wichtig es sei, die Freizeit mit unseren neuen Mitbürgern zu verbringen, mit ihnen z.B. Fußball zu spielen oder anzusehen. Dies fördere, so Dillmann weiter, eine schnelle Integration und erleichtere darüber hinaus das Erlernen der deutschen Sprache.

Auf die Frage einer Lernerin, ob der Zustrom der Flüchtlinge Fluch oder Segen für Deutschland sei, antwortete Winfried Manns, dass es an uns allen liege, mit der Situation umzugehen. Dr. Andreas Nick ergänzte, dass es wichtig sei, dass die Flüchtlinge rasch die deutsche Sprache lernen, hier arbeiten können, einen geregelten Tagesablauf haben und sich in ihrem neuen Wohnort wohlfühlen. Zahra Deilami unterstrich dies und berichtete aus ihren eigenen Erfahrungen: "Wir müssen ganz normal und unverkrampft mit den Neuankömmlingen umgehen. Jeder hat sein Lebenskapital, Respekt und Höflichkeit: Jeder muss dieses Lebenskapital nach außen tragen und auch entsprechend handeln", so Deilami.

Das lange Warten auf eine Registrierung war auch Thema; hier sei aktuell schlicht eine Überforderung festzustellen, sagte Manns. Aber der Bund habe schon einiges auf den Weg gebracht und man müsse abwarten, wie rasch die neuen Regelungen greifen, erklärte Manns. Dillmann zeigte den Lernern zahlreiche Anträge, die "jeder Asylsuchende ausfüllen muss, bevor ihm der Status als "Asylant" zuerkannt wird. Es gilt, zwischen Flüchtlingen zu unterscheiden, die anerkannt sind und solchen, die noch auf die Anerkennung warten." Kritisch betonte er, es sei unbegreiflich, warum die Anträge nur in deutscher Sprache und nicht in der Sprache der Flüchtlinge ausgefüllt werden müssen. Das führe zu zahlreichen Problemen, mahnte er an.

Inge Rocco machte auf das Problem aufmerksam, dass es leichter sei, aktuell Paten für Menschen aus Pakistan oder Syrien zu finden im Gegensatz zu Flüchtlingen aus den Balkanstaaten. Es gebe ihr zufolge in der Bevölkerung einen Unterschied in der Wahrnehmung von Kriegs- und Wirtschaftsflüchtlingen. Dr. Nick lobte die zahlreichen ehrenamtlichen Helfer und die Kommunen, die tagtäglich vor Ort für eine reibungslose Organisation des Alltags sorgen. Auf die Frage einer Lernerin, ob wir in Deutschland Angst haben müssten, antwortete der Bundestagsabgeordnete Nick: "Nein, wir haben zwar große Herausforderungen, aber Angst vor der Situation haben, müssen wir nicht. Jedoch bereitet es mir große Sorgen, was das Klima in unserer Gesellschaft angeht. Wir müssen mutig sein, und offen gegen die Hassparolen eintreten. Die Flüchtlinge nehmen uns gewiss nichts weg!"

Einen ganz besonderen Moment stellte das Ende der Diskussionsrunde dar: Die Lerninnen und Lerner des Raiffeisen-Campus schlugen vor, den Flüchtlingen im Kreis aktiv zu helfen. Die Projektleiterin der Themenwoche, Jenny Groß, zeigte sich gemeinsam mit Schulleitung und Kollegium darüber besonders erfreut. So wird dem Wunsch der Kinder gerne nachgekommen, und eine Teilnahme am Nikolauslauf der Firma Münz ist bereits organisiert. "Besser als mit diesem sehr intensiven Projekt, das auch praktische Hilfe für Flüchtlinge in unserer Region hervorbringt, können wir als kleine Schule den Anliegen der Kinder nicht gerecht werden. Die Empathie und das große Interesse unserer Schulgemeinschaft rechtfertigen den Aufwand", sagte die projektverantwortliche Pädagogin Jenny Groß.

Schulleiter Meffert zog am Ende der Veranstaltung ein sehr positives Fazit und freute sich, dass die Themenwoche so viel Anklang und Motivation zur aktiven Hilfe bei den Kindern gefunden hat: "Wir alle haben es in der Hand, dass wir zu einem gelingenden Miteinander beitragen und mit den uns zur Verfügung stehenden Möglichkeiten die Integrationsbemühungen mitbegleiten", so Meffert in seinem Abschlussplädoyer.

Im Rahmen des Tages der Generationen besuchten unsere Lernerinnen und Lerner der Klassen 5a und 5b gemeinsam mit Frau Berleth, Frau Maier und Herrn Preußer das AZURIT Seniorenzentrum in Montabaur. Um den Herbst mit all seinen Farben nicht nur in die Zimmer der Senioren und der LernerInnen, sondern auch in ihre Herzen zu bringen, bastelten wir gemeinsam bunte Eulen.

Zuvor hatten unsere LernerInnen und Lerner fleißig leere Toilettenpapierrollen gesammelt und während einer  Klassenleiterstunde in allen nur denkbaren Farben bemalt. Ausgestattet mit den Rollen, buntem Papier, Stiften, Scheren und Kleber, machten sich unsere 45 Lernerinnen und Lerner dann auf den Weg nach Montabaur. Hier warteten schon die Senioren und waren ganz gespannt, was in diesem Jahr gebastelt würde.

Nach einer herzlichen Begrüßung fiel der Startschuss und alle waren eifrig beim Basteln. So vergingen 60 Minuten wie im Flug und ehe man sich´s versah, besiedelten mindestens 60 bunte, kreativ gestaltete individuelle Eulen das Zimmer. Die Freude stand allen  Teilnehmern ins Gesicht geschrieben, als sie mit den Eulen im Gepäck, einem dicken Lächeln im Gesicht und vielen neuen Erfahrungen im Herzen den Raum verließen.

Nach einer kleinen Stärkung bei Kakao und Keksen war man sich einig: Wir  wollen uns wieder sehen und freuen uns schon auf das nächste Jahr!

An dieser Stelle nochmals einen herzlichen Dank für die Gastfreundschaft des Seniorenzentrums und die Offenheit der BewohnerInnen und unserer LernerInnen. – Eine tolle Erfahrung!

Im Rahmen der Themenwoche "Flucht und Vertreibung“ wurden aus den Lernerinnen und Lernern des ältesten Jahrgangs in einem fächerübergreifenden Projekt Länderrepräsentanten, EU-Politiker und Pressevertreter. Zu Beginn bereiteten sich die Lernerinnen und Lerner mithilfe einer Rollenkarte auf die verschiedenen Positionen vor. Die erste Aufgabe bestand dann darin, ein Statement zur eigenen Position zu verfassen, das in einer Eröffnungsdebatte in drei verschiedenen europäischen Sprachen vorgetragen wurde. Anschließend galt es, im Verlaufe dieses EU-Sondergipfels Verbündete zu finden, um einen gemeinsamen Standpunkt in der Frage nach dem Umgang mit Flüchtlingen zu erarbeiten.

Die Abschlussdiskussion fand auf der Bühne im Forum statt. In der zweiten Rederunde zeigten sich erste Verhandlungserfolge: So hatten sich verschiedene Ländervertreter für eine gemeinsame Position entschieden und trugen diese in einem gemeinsamen Abschlussstatement vor. Dennoch konnten sich die Vertreter der europäischen Staaten noch nicht einstimmig auf das weitere Vorgehen verständigen, sodass der EU-Ratspräsident die Vertreter zu einem weiteren Sondergipfel einlud.

Zu dieser Abschlussdiskussion waren auch Lerner einer 8. Klasse eingeladen, welche die Verhandlungen aus der Zuschauersicht bewerteten. Es war insgesamt ein interessantes und lohnenswertes Projekt, das die Lernerinnen und Lerner authentisch und engagiert meisterten. Dabei wurde ebenfalls deutlich, wie wichtig der Umgang mit verschiedenen Sprachen sein kann.

Am 15. März 44 v. Chr. wurde Caesar während einer Senatssitzung in Rom brutal ermordet, und zwar von 60 miteinander verschworenen Senatoren. Aber warum wurde Caesar überhaupt getötet und wie lief seine letzte Senatssitzung ab? Lernerinnen und Lerner der 7b haben die Szene im Geschichtsunterricht nachgestellt. Hier der kurze Bericht einer Lernerin, die der Senatssitzung am 15. März 44 v. Chr. beigewohnt haben will:  

Heute ereignete sich ein tragischer Vorfall im Senat in Rom.  Kurz nach Eröffnung der Senatssitzung durch Caesar zeichnete sich ab, dass die Sitzung diesmal anders ablaufen würde als sonst. Mit großer Überheblichkeit stolzierte Caesar durch den großen Senatssaal geradewegs auf einen der Senatoren zu und verkündete laut, er habe von nun an die alleinige Herrschaft auf Lebenszeit verliehen bekommen. Das war eine richtige Provokation für die Senatoren, zumal der Senat in letzter Zeit nicht gut auf Caesar zu sprechen war, denn er hat sich über Gesetze hinweg gesetzt und wurde schon lange für den Bürgerkrieg in Rom verantwortlich gemacht, hat er doch am 10. Januar 49 v. Chr. trotz eindringlicher Warnungen den Rubikon überschritten und damit den Bürgerkrieg ausgelöst.  Man konnte die Wut der Senatoren mit den Händen greifen.

Offenbar hat Caesar die Situation falsch eingeschätzt.  Einige Senatoren hatten schon vorher einen Mordplan ausgeheckt und warteten nur auf eine passende Gelegenheit. Mit seinem arroganten Auftritt im Senat scheint Caesar ihnen diese Gelegenheit gegeben zu haben.  Denn ohne Vorwarnung haben 60 Senatoren ihre Messer gezückt, sind auf Caesar losgegangen und haben ihn vor den Augen anderer Senatoren niedergestochen.

 

 

Was heißt es eigentlich BWL zu studieren und Vorlesungen zu besuchen? Davon haben nur wenige Gymnasiasten eine echte Vorstellung. Um dies zu ändern und zukünftige Studierende bereits während ihrer Schulzeit auf die Hochschullandschaft und die Wirtschaft vorzubereiten, führt die ADG-Business School an der Steinbeis-Hochschule Berlin im Rahmen eines ganz neuen Projekts so genannte Probevorlesungen für die Lernerinnen und Lerner des Raiffeisen-Campus in Dernbach durch. Für ihre erste Vorlesung zum Thema Grundlagen der BWL wurden sie auf das Schloss Montabaur eingeladen.

Alle Lerner haben sich bereits im letzten Schuljahr im Wahlpflichtfach Wirtschaft mit unterschiedlichen ökonomischen Zusammenhängen beschäftigt. Dies war eine wichtige Grundlage, um die Vorlesung der ADG Business School verstehen zu können. Dabei ähneln die Vorlesungen den Veranstaltungen, welche die Studierenden der ADG Business School besuchen. Die Inhalte sind natürlich dem Niveau der 9. Klasse angepasst. Die wissenschaftlichen Mitarbeiter beantworten – anders als in regulären Vorlesungen – jederzeit aufkommende Fragen und erläutern mit alltagsnahen Beispielen den Inhalt. Trotz der ganzen Theorie waren die Lerner mit viel Engagement dabei und konnten die gestellten Aufgaben der Dozenten gemeinsam lösen.

Frau Sinja Bohn, Programm-Managerin an der ADG-Business School, die das Projekt betreut und die Lerner im Rahmen der ersten Veranstaltung in die Grundlagen der Betriebswirtschaft eingeführt hat, betonte, wie wichtig es für sie sei, dieses Projekt zu unterstützen, da Wirtschaft ein elementares Kompetenzfeld darstelle, das im rein schulischen Kontext nur wenig Berücksichtigung finde. Im Rahmen der Vorlesungen erhalten die Lernerinnen und Lerner einen wichtigen Einblick in den betriebswirtschaftlichen Bereich und lernen darüber hinaus die Studienlandschaft kennen. Die weiteren Vorlesungen finden unmittelbar vor Ort in den Räumlichkeiten des Raiffeisen-Campus in Dernbach statt. Abgeschlossen wird die Vorlesungsreihe zum Ende des Schuljahres mit einem Assessment Center auf Schloss Montabaur. 

Offenbar kommt die Institution Schule ohne einen gewissen Grad an Formalismus, wie er beispielsweise in der festgelegten Anzahl von bestimmten Prüfungsformen in bestimmten Jahrgangsstufen und in bestimmten Fächern oder in der fest terminierten Ausstellung von Schulzeugnissen Niederschlag findet, nicht aus.

Allerdings bildet dieser Formalismus, dessen Kennzeichen oft Daten und mathematische Zahlen sind, nur einen Bruchteil des pädagogischen Bildungsauftrags der Schule ab. Unsichtbar bleiben dabei oftmals die Lernenden selbst, ihren individuellen Bildungsweg und ihre persönlichen Lernbedarfe. Beides – die Voraussetzung erfolgreichen Lernens –  wird bisweilen lediglich an Noten, d.h.an mathematischen Zahlen abgelesen, obgleich diese im günstigsten Fall nur eine begrenzte Aussage über die punktuelle Leistung einer Lernerin bzw. eines Lerners zu einem überschaubaren Thema ermöglichen, keineswegs aber Rückschlüsse auf ihr bzw. sein Leistungs- und Entwicklungspotenzial begründen, das es doch gezielt zu fördern und individuell zu begleiten gilt.

Um dieser Diskrepanz entgegenzutreten, hat der Raiffeisen-Campus ab diesem Schuljahr Lernentwicklungsgespräche (LEG) für die 7. Jahrgangsstufe eingeführt – ein pädagogisches Konzept, das unserem Selbstverständnis als Lernbegleiter (statt Lehrer) entspricht. 

Kurz nach Beginn des laufenden Schuljahres wurden die Lernerinnen und Lerner der beiden 7. Klassen und ihre Eltern zu einem Lernentwicklungsgespräch eingeladen, das nun am Donnerstag, dem 13. und am Freitag, dem 14. November 2015 auf dem Raiffeisen-Campus stattfand. Zwar es ist noch zu früh, eine tragfähige Aussage über den Einfluss dieses Lernentwicklungsgesprächs auf das künftige Lernverhalten unserer Lernerinnen und Lerner zu treffen, doch haben nahezu alle Lernerinnen und Lerner sowie ihre Eltern diesen Termin wahrgenommen. Und der Eindruck, den sie von den Lernentwicklungsgesprächen gewonnen haben, war sehr positiv. Die Gespräche wurden nicht nur atmosphärisch als angenehmen, sondern auch inhaltlich insgesamt als sinnvolles pädagogisches Instrument empfunden.  

Worin bestehen nun die Besonderheit und vor allem der pädagogische Mehrwert von Lernentwicklungsgesprächen? Lernentwicklungsgespräche unterscheiden sich von den üblichen Zusammenkünften zwischen Eltern und Lehrkräften, so wie wir sie beispielweise als  Elterngespräche kennen, die wir nach wie vor anbieten. Grundidee der LEGs ist es, die Lernenden für ihre Lernbedarfe und Eigenverantwortung im Lernprozess zu sensibilisieren und sie auf ihrem individuellen Bildungsweg zu begleiten. Das Gespräch dauert in der Regel 20-30 Minuten und findet im Wesentlichen zwischen der Lernerin bzw. dem Lerner und der Klassenlehrerin bzw. dem Klassenlehrer  statt.

Unabhängig vom Leistungsstand des Lernenden verfolgt das LEG das Ziel, jedem Lernenden sein persönliches Entwicklungspotenzial bewusst zu machen. Die Klassenlehrerin bzw. der Klassenlehrer tauscht sich mit dem Lernenden über notwendige oder als sinnvoll erachtete Fördermöglichkeiten aus. Am Ende des Lernentwicklungsgesprächs formulieren Lerner/in und Klassenlehrer/in  eine Lernzielvereinbarung, denn nur wer sein Ziel kennt, findet auch den Weg dahin.

Der Lernzielvereinbarung liegen in der Regel die Selbsteinschätzung des Lernenden sowie die Fremdeinschätzung der Eltern und der Klassenlehrerin bzw. des Klassenlehrers zugrunde. Die Lernzielvereinbarung ist ein Kernelement des LEGs, denn klar und realistisch formulierte Ziele vermitteln den Lernenden Sinn und stiften Eigenverantwortung. Außerdem machen sie den Lernfortschritt auch für den Lernenden selbst erkennbar und  rücken die angestrebten Ergebnisse in den Fokus. Nicht zuletzt bündeln sie geistige und körperliche Energie.

Mit den Lernentwicklungsgesprächen will der Raiffeisen-Campus alle Lernenden gezielt voranbringen. Denn auch gute Lernerinnen und Lerner können besser werden.

 

 

LiteraturLive! ist eine neue AG (Arbeitsgemeinschaft) auf dem Raiffeisen-Campus. Sie wird seit diesem Schuljahr von Herrn Dr. May angeboten und geleitet. Unsere AG umfasst 15 Lernerinnen und Lerner aus unterschiedlichen Klassen, das jüngste Mitglied ist in der 5. Klasse.

Eine der Hauptaufgaben unserer AG besteht darin, Veranstaltungen mit Literaturbezug mitzuplanen und zu realisieren. Deshalb bereiten wir uns momentan auf die Lesung am 18.11. vor. Dabei befassen wir uns neben der konzeptionellen Planung auch mit praktischen Arbeitsformen wie z.B. dem Aushängen von Plakaten in den Klassenzimmen oder der Fertigstellung des Bühnenbildes etc. Wir möchten das Thema der Lesung auch durch das Bühnenbild anschaulich machen. Unterstützung bekommen wir dabei auch von anderen LehrerInnen, so z.B. von Frau Hillesheim, die uns ein sehr schönes Stoffbanner für das Bühnenbild zusammengenäht hat und von Frau Maier, die uns bei Überlegungen über die Aufstellung des Bühnenbildes zur Seite stand.

Die Besonderheit unserer AG liegt darin, dass unserer Kreativität keine Grenzen gesetzt sind und jedes Mitglied der AG gleichberechtigt am Ideen- und Meinungsaustausch über verschiedene Projekte beteiligt ist. Das spornt uns alle an, kreativ mitzuarbeiten und unsere AG mit vielen Ideen voranzubringen. Das wollen und werden wir im Laufe des  Schuljahres durch weitere Projekte unter Beweis stellen.

Doch vorerst dürfen wir uns auf die Veranstaltung am Mittwoch, dem 18.11.2015 um 18.00 Uhr in unserem Forum freuen. Die AG LitLive! lädt zu ihrer ersten Veranstaltung, der Lesung mit Hanna Jansen, ein. 

Wir freuen uns auf zahlreiches Erscheinen und sind auf die Herzsteine von Frau Jansen sehr gespannt!

 

 

 

 

Oliver Cromwell (1599-1658), der Lordprotektor von England, Schottland und Irland während der kurzen republikanischen Periode der englischen Geschichte, war ein gefürchteter Staatsmann. Schließlich machte er König Karl I. nach dem Bürgerkrieg den Prozess und ließ ihn 1649 hinrichten.

Allerdings war Cromwell mitnichten nur ein Diktator. In die Geschichte eingegangen ist er vor allem auch als Mensch mit Visionen, von denen manche auch heute noch aktuell sind. Berühmt sind zahlreiche seiner Aphorismen, darunter der folgende: Wer aufgehört hat besser werden zu wollen, hat aufgehört, gut zu sein. Dieser Leitsatz liegt unserem didaktischen und pädagogischen Selbstverständnis am Raiffeisen-Campus zugrunde und regt uns dazu an, Unterricht permanent neu zu denken, weil wir gut bleiben wollen.

Die Schule von heute, das braucht hier nicht eigens betont zu werden, ist nicht mehr die Paukschule von ganz früher, auch wenn es manchmal schwerfallen mag, sich von manch liebgewonnenen Arbeitsformen zu trennen, vor allem dann, wenn sie erfolgreich gewesen sein sollen. Gewiss sind traditionelle Unterrichtsformen nicht per se schlecht – sogar der oft verschriene Frontalunterricht ist in gewissen Lernsituationen alternativlos –  heutigen Lernern bieten sie allerdings nur noch begrenzt die Möglichkeiten für einen selbstreflexiven Erwerb jener  Kompetenzen an, die diese in der Welt von morgen brauchen, in die wir sie im Idealfall nach dem Abitur entlassen möchten.

Um diesem Anspruch gerecht werden zu können, unterrichten wir am Raiffeisen-Campus auch konstruktivistisch. Der Begriff Konstruktivismus klingt komplizierter als der Sachverhalt, den er beschreibt. Kurz gefasst lässt sich Konstruktivismus als selbstorganisiertes, prozessorientiertes Lernen definieren, das die Wahrscheinlichkeit, im Unterricht tatsächlich etwas zu lernen, deutlich erhöht. Der Unterschied zwischen konstruktivistischem und nicht konstruktivistischem Unterricht liegt nicht im Unterrichtsgegenstand, sondern in der Unterrichtsorganisation begründet.

Die Kunst des konstruktivistischen Lehrens besteht darin, Lernarrangements zu kreieren, die Lernende als Erwartungswiderspruch erleben und die sie folgerichtig zu einer Selbstorientierung einladen. Die Lerner werden neugierig und machen sich daran, diesen Widerspruch oder das Rätsel in den Lernarrangements über Versuch und Irrtum (trial and error) zu überwinden. Diese in der Umgangssprache als Ausprobieren bezeichnete Vorgehensweise ist in gewisser Hinsicht mit dem entdeckenden Lernen vergleichbar. Ziel dabei ist es, dass die Lernenden nicht bloß das Wissen als fertiges Produkt im Blick haben, sondern vor allem auch den Erkenntnisprozess selbst nachvollziehen und aktiv mitgestalten. In diese Forschungssituation hineinversetzt, zeigen die Lerner manche treffliche Beweise von selbständigem Nachdenken.

In einer konstruktivistisch organisierten Lernumgebung erfahren die Lernenden den Wissenserwerb nicht als etwas Gegebenes, was sie nur noch auswendig zu lernen brauchen, sondern als etwas (Re-)Konstruierbares, was ihre Neugier herausfordert und stimuliert. Lernpsychologisch ist längst erwiesen, dass sich ein Lerner viel besser mit dem identifiziert, was er selbst erarbeitet hat, als mit dem, was ihm als fertige Lösung vermittelt wurde. Dabei  verläuft die konstruktivistische Form des Wissenserwerbs weitgehend individuell, zum Teil subjektiv und unvorhersehbar entlang eines unabgeschlossenen Prozesses, bei dem die Lernenden jene selbstreflexive Schlüsselerfahrung machen, die Rolf Arnold in Anlehnung an den französischen Philosophen, Mathematiker und Naturwissenschaftler Rene Descartes mit folgenden Worten treffend formuliert hat: Ich lerne, also bin ich. (Rolf Arnold). Lernen ist eine Form der Selbstvergewisserung durch Wissenszuwachs– nicht nur für Heranwachsende!

Wir fassen zusammen: Konstruktivistisch erworbene Kompetenzen haben nicht nur ein hohes Identifikationspotenzial mit den Lernergebnissen, sie sind vor allem auch flexibel und transferfähig. Gerade deshalb bereiten sie jedem Lernenden Freude und machen die klassische Form der Hausaufgaben weitgehend überflüssig.

Dass Museen besondere außerschulische Lernorte sind, braucht heute nicht mehr eigens betont zu werden. Viel wichtiger ist der programmatische Schwerpunkt des jeweiligen Museums. Im rheinländischen Neuwied beherbergt das barocke Schloss Monrepos (dt. Meine Ruhe) ein archäologisches Forschungszentrum und Museum für menschliche Verhaltensevolution. Dieses außergewöhnliche Schloss ist sowohl für die Fans der wahren Altsteinzeitküche als auch für Historiker und vor allem für die Lerner, die sich gerade das Thema Steinzeit im Geschichtsunterricht aneignen, eine besonders wichtige Adresse.   

Nicht zuletzt deshalb unternahmen die beiden 6. Klassen des Raiffeisen-Campus kürzlich in Begleitung der Fachlehrer für Geschichte, Frau Maier und Herr Dr. May sowie des SFJler Herrn Deußner eine Exkursion ins Museum Monrepos. Unter dem Motto: Auf in die Steinzeit! begaben wir uns auf eine spannende Zeitreise mit dem Ziel, in die Zeit vor gut 10.000 Jahren einzutauchen.

Kurz nach dem gemeinsamen Mittagessen begann die Reise nach Neuwied. Dort erhielten  wir eine Führung sowie einen Workshop rund um die Steinzeit. Der Führung vorgeschaltet wurde ein kleines Steinzeit-Quiz, das unseren Lernerinnen und Lernern allerdings keine Schwierigkeit bereitete, hatten diese doch in der vorangehenden Unterrichtsstunde fundierten Einblick in das Thema Steinzeit gewonnen. Dieses Vorwissen hat den Lernern dabei geholfen, nicht nur die Fragen zu beantworten, sondern auch, sich aktiv an den Workshops zu beteiligen und diese inhaltlich zu bereichern.

Neu zu lernen gab es natürlich sehr viel, gerade auch im Hinblick auf die menschliche Verhaltensevolution. Sehr plastisch machte die Referentin klar, wie Werkzeuge im Laufe der langen Periode der Steinzeit neue Nahrungsquellen zu erschließen halfen. Was am Anfang nur ein Ausprobieren war, wurde seitdem unsere erfolgreichste Verhaltensstrategie. Den roten Faden bildete die Frage, welche Geräte die Steinzeitmenschen verwendeten und welche Verhaltensweisen damit verbunden waren.

War fressen und gefressen werden in der Altsteinzeit Programm, so konnten unsere Lernerinnen und Lerner am Museum Monrepos eigenäugig verfolgen, wie  Verhaltensanpassungen an die sich permanent verändernde Umwelt bis heute im Körperbau unserer Gattung Niederschlag gefunden haben – eine spannende Erkenntnis!

Unsere Lerner haben Monrepos daher weniger als Ort der Ruhe denn als einen Ort kennen gelernt, der sie auf die Gegenstände des alle Epochen umfassenden Geschichtsunterrichts ein Stück weiter neugierig gemacht hat. Insofern stimmt das Motto des Museums: Monrepos macht Schule.