Phantasievolle Evolution

Räuber oder Gejagter?  Leben an Land, in der Luft oder im Wasser? – Und welche Anpassungen sind hierfür erforderlich?

Diese und weitere Fragen stellten sich die Lernerinnen und Lerner der Klasse 7a im Biologieunterricht von Frau Steup. Nachdem sie in den vorherigen Stunden auf den Spuren von Darwin und Lamarck die Prinzipien der Evolution kennengelernt hatten, konnten sie das Gelernte nun auf phantasievolle Weise anwenden.

In Kleingruppen gestalteten die LernerInnen Phantasielebewesen und stellten diese anschließend der Klasse in einer Expertenrunde vor. Hierbei mussten sie bedenken, dass u.a. Lebensweise, Körperbau und weitere Eigenschaften des Lebewesens optimal auf die jeweilige Lebensumgebung angepasst sein müssen, um ein längerfristiges Überleben zu sichern. In der anschließenden Diskussionsrunde beurteilten die Experten die biologische Fitness der Phantasielebewesen und bewerteten die biologischen Faktoren, wobei sie auf ihr Vorwissen zum Thema zurückgriffen.

Am Ende der Unterrichtseinheit war sich die Klasse aber einig, dass längst nicht alle überlebenswichtigen Bedingungen berücksichtigt werden konnten, und so wurden sich die LernerInnen der Komplexität der einzelnen Faktoren, die in der Evolution zusammenspielen und die Entwicklung von Arten beeinflussen, noch einmal mehr bewusst.

 

 

Das Thema „Schule“ wurde bisher nicht nur in großen Romanen wie „Professor Unrat (H. Mann) und „Unterm Rad“ (H. Hesse) – um nur zwei prominente Beispiele zu nennen – auf weltliterarischem Niveau mehrfach aufgegriffen, sondern es hat auch in kleinere Gattungen wie Kurzgeschichten und Erzählungen Eingang gefunden.  

Bekanntlich zeichnen sich Kurzgeschichten – zumindest gute Kurzgeschichten – dadurch aus, dass sie die Leserin oder den Leser auf sehr subtile Art und Weise über das Geschilderte, oftmals eine alltägliche Konfliktsituation, tiefer nachdenken lassen. Beispielhaft dafür scheint mir die 1966 erschienene Kurzgeschichte „Schule im Jahr 2157“ von Isaac Asimov zu sein.

Das ironisch-sarkastische Gespräch über ein altes Buch, das der Autor zwischen dem elfjährigen Mädchen namens Marie und dem dreizehnjährigen Jungen Tommy inszeniert, offenbart  den vorausschauenden Charakter eines sprachlichen Kunstwerkes. Marie notiert in ihr Tagebuch, dass Tommy „ein richtiges Buch gefunden“ habe und stellt diesem wenig später die Frage, die jedes neugierige Kind in ihrem Alter auch heute stellen würde: „Wovon handelt es?“.

Doch über Tommys Antwort, das Buch handele von „Schule“, ist Marie regelrecht entsetzt: „Was kann man denn schon über die Schule schreiben?“, fragt sie ihren Freund und fügt hinzu: „Warum sollte jemand über die Schule schreiben?“ Tommy, der sich ihr überlegen fühlt, erzählt ihr dann in einem nahezu arroganten Ton von der Art Schule, “ wie man sie vor Hunderten von Jahren hatte.“ Obwohl Marie sich nicht recht vorstellen kann, was diese Art von Schule ausmachte, stellt sie, nachdem sie eine Weile in dem alten Buch mitgelesen hat, fest: „ Jedenfalls hatten sie auch einen Lehrer.“

In dieser auf den ersten Blick lapidaren Feststellung nimmt das Gespräch der beiden Kinder eine für die Kurzgeschichte typische unerwartete Wendung, die durch Tommys Replik: „Sicher hatten sie einen Lehrer, aber es war kein richtiger Lehrer. Es war ein Mann“, vorbereitet und schließlich von Maries durchaus irritierende Frage: „Ein Mann? Wie kann ein Mann ein Lehrer sein?“, deutlich zugespitzt wird.

Eigentlich wollte ich diesen Artikel hier beenden, um diese Frage, die mir den Titel für den Artikel geliefert hat, als Denkimpuls zu exponieren. Aber ich möchte dem Leser die  Begründung Maries nicht vorenthalten, schließlich ist sie an Sarkasmus kaum zu übertreffen: „Ein Mann ist dafür nicht klug genug.“ – Der Leser könnte geneigt sein, hier eine  Genderdiskussion avant la lettre zu vermuten – Eine solche Vermutung wäre zwar legitim, würde jedoch m.E. den Kern des Problems verfehlen. Es geht um etwas viel Wichtigeres, nämlich um die Frage, was „man“ heute mindestens wissen muss, um effizientes Lernen im Klassenzimmer und außerhalb des Klassenzimmers ermöglichen zu können.

Ganz nebenbei gibt Marie, die sich in dieser Kurzgeschichte nicht nur durch eine einfache und luzide Sprache auszeichnet, sondern auch extrem sympathische Charakterzüge verkörpert, die Antwort auf diese Frage:  „[…] meine Mutter sagt, ein Lehrer muss genau für den Jungen oder das Mädchen eingestellt werden, die er lehrt, weil die Kinder im Lernen ganz verschieden sind.“

Gewiss spricht Marie ihre Mutter zitierend eine Wunschvorstellung aus, die uns noch als ideal vorkommen mag, ihren Worten liegt aber eine lernpsychologische Erkenntnis zugrunde, die es heute didaktisch und methodisch zu implementieren gilt: Kinder sind im Lernen ganz verschieden. Darauf müssen wir uns in unserem Beruf als Lehrer einstellen. Und dieser Verschiedenheit können wir nur dann gerecht werden, wenn wir nicht das Fach, das wir unterrichten, sondern den Menschen, d.h. die Lernerin oder den Lerner als Individuum in den Mittepunkt des Lernprozesses stellen, den wir jeden Tag neu initiieren und steuern müssen. Die Fokussierung auf die einzelne Lernerin, den einzelnen Lerner, die Isaac Asimov als ästhetische Erfahrung vermittelt, stellt eine besondere didaktische Herausforderung mit großen Lernerfolgschancen dar. Marie hasst den Roboter, der den Lehrer ersetzen soll – mit Recht! nicht also in der blinden Huldigung der Technik, sondern in ihrem kritisch-reflexiven Einsatz im Unterricht liegt die Möglichkeit, bei der Strukturierung des Lernprozesses die menschliche Komponente stets im Blick zu behalten. 

Ich habe diese Kurzgeschichte zum ersten Mal während meines Studiums gelesen. Seitdem gehört sie zum Repertoire meiner Lieblingstexte, handelt es sich doch um ein kleines Meisterwerk der Erzählkunst, dessen sprachästhetische Raffinesse nicht nur einen wahren Lesegenuss bildet, sondern vor allem auch dem Leser immer wieder ein nachdenkliches Schmunzeln über die angedeutete konstruktivistische Pointe zu entlocken vermag.  

 

 

 

 

… musste sich die Deutschlehrerin Frau Bittger fragen, als sie über einigen Diktattexten der 8b saß. Die interessantesten Schreibweisen waren da auf einmal zu finden: Besonders häufig war „Göhte“ zu lesen. Wie konnte es nur passieren, dass der wohl berühmteste deutsche Autor auf einmal nicht mehr im Wortschatz der Lernerinnen und Lerner war?

Doch da kam ihr eine Idee, die sie wenig später mit der Klasse besprach. Nachdem zunächst einmal alle Schreibweisen gesammelt wurden, die fälschlicherweise in den Heften gelandet waren, war die Klasse selbst ganz überrascht und amüsiert über diese Bandbreite. Doch wo lag die Ursache dafür? Eine kurze Umfrage in der Klasse zeigte, dass fast alle den Kinofilm „Fack ju Göhte“ gesehen hatten. Dank der Smartboards mit Internetanschluss konnte schnell das Filmplakat gesucht werden und sofort merkten die Lernerinnen und Lernern, dass im Titel doch so mancher (beabsichtige) Fehler steckte. Es ist wohl zu vermuten, dass die Betrachtung des Filmplakats und die Beschäftigung mit dem Film zumindest einen kleinen Beitrag zur Rechtschreibverwirrung geleistet hat, denn unbewusst bleibt natürlich vieles in den Köpfen.

Welches Fazit zog die Klasse aus diesem Erlebnis? Kritisch bleiben beim Medienkonsum – nicht alles was gedruckt ist, ist auch korrekt. Und: Es kann nur einen Goethe geben.

Wenn man in diesen Tagen jemandem „Frohe Ostern“ wünscht, dann erhält man häufig ein durchaus freundlich gemeintes, aber irgendwie korrigierendes „Gehabt zu haben“ zurück. Als ob Ostern ein Verfallsdatum hätte. Hat es aber nicht, warum wir in diesen Ostertagen unseren Osterartikel veröffentlichen.

Ostern: Aus atheistischer Sicht doch immerhin ein Fest der Christen, das aufhorchen lässt. Da lässt sich eine ethisch revolutionäre Idee (nämlich das eigene und das Gemeinwohl in Einklang zu bringen – Liebe deinen Nächsten wie dich selbst) auch durch den Tod desjenigen, der diese Idee gegen den Mainstream seiner Zeit wirkungsvoll verkündet, der deshalb politisch unbequem wird und schließlich beseitigt werden soll – da lässt sich also diese revolutionäre Idee nicht töten. Sie lebt fort und – wie wir Christen glauben – wie jede gute Seele auch Er selbst.

Ostern ist aber älter als das Christentum. Das Wort bezeichnet wahrscheinlich ein vorchristliches Frühlingsfest. Was haben die beiden Traditionen gemeinsam? Wir feiern die Überwindung der Dunkelheit durch das Licht. Im Blick auf die Natur den Sieg des Schneeglöckchens über den Winterboden und den Sieg der Sonne über die Kälte. Wir Christen feiern darüber hinaus die Überwindung einer legalistischen Formelethik („Halte die Gebote buchstäblich ein!“) über eine sinnerfassende und menschenfreundliche („Der Mensch ist nicht für die Regeln da, sondern die Regeln für den Menschen“) und wir feiern im christlichen Glauben, dass der Tod so zum Leben gehört wie die Geburt, aber beide nur Stationen einer fortdauernden Existenz sind. Von der wir nur ahnen können, wie sie beschaffen war und sein wird. Aber da geht es uns ähnlich wie einst im Mutterleib. Wir konnten nur ahnen, dass es ein Leben außerhalb der Mutter geben kann. Und wissen jetzt, dass es dieses Leben gibt.

Gestern erfuhren wir vom Tod des 45jährigen Jazz-Sängers Roger Cicero. Heute morgen hörte ich im Radio sein Lied „Ich hätt‘ so gern noch Tschüß gesagt“ das sich an seinen früh verstorbenen Vater richtet. Nehmen wir trotz oder wegen unseres Glaubens an ein Leben nach dem Tod uns heute Zeit für einen lieben Menschen. Damit wir dafür noch Zeit haben.

Frohe Ostern! Weiterhin!

Wünscht Ihr Bernhard Meffert, Religionslehrer am Raiffeisen-Campus

Nach dem ganz Großen, dem Makrokosmos, hat sich die Klasse 5a gemeinsam mit ihrer NaWi-Lehrerin Frau Berleth nun auf Spurensuche begeben: Auf der Suche nach dem ganz Kleinen.

Nach dem Mikroskopieren von Zellen stellen sich unsere 5. Klässler nun begeistert einer neuen Herausforderung: dem Züchten von Kristallen. Und da das eben nicht von heute auf morgen geht, haben sich einige LernerInnen dazu entschlossen, daraus ein Ferienprojekt zu machen.

Wer ebenfalls nach einer spannenden und auch faszinierenden Beschäftigung für die Ferien sucht, der kann sich nach folgender Anleitung als Kristallzüchter versuchen: http://www.tivi.de/fernsehen/loewenzahn/artikel/03702/

Viel Spaß wünscht die Klasse 5a!

„Afrika“ ist das große Reihenthema, das bei der Klasse 7b als Nächstes auf dem Lehrplan steht. Die Schulbuchverlage geben sich größte Mühe, um die Reiheninhalte und deren Präsentation auf die Klassenstufe abzustimmen, aber so unterschiedlich wie eine Lerngruppe ist, lassen sich natürlich weder alle Interessen noch alle Fragestellungen der Lernerinnen und Lerner voraussehen und entsprechend anbieten.

Um dennoch eine Reihenplanung gemeinsam mit den Lernerinnen und Lernern zu ermöglichen, hat die Erdkundelehrerin Frau Bittger bei diesem Thema die Lerngruppe mit in die Planung geholt. Im Think-Pair-Share-Verfahren wurden hierbei Themenfelder und konkrete Fragestellungen erarbeitet. Und das funktionierte so: In einem ersten Schritt (Think) haben die Lernenden selbst überlegt und notiert, was sie mit dem Begriff Afrika verbinden. In einer zweiten Runde (Pair) haben sie ihre Gedanken in kleinen Gruppen ausgetauscht und darüber hinaus mehrere Fragestellungen notiert, die sich aus den Gesprächen ergeben haben. Im letzten Schritt (Share) wurden die Ergebnisse im Plenum abgeglichen und ähnliche Fragen oder Fragen zum selben Themengebiet sortiert.

Mit einem so von der Klasse vorbereiteten Fragenkatalog, der  die Themenfelder und Interessenschwerpunkte der Lernerinnen und Lerner systematisch erfasst, kann die Fachlehrerin Frau Bittger die Reihenplanung nun auch didaktisch konkretisieren.

… aber wer weiß, wie ein elektrischer Milchaufschäumer funktioniert? Dieser Frage gingen die beiden 6. Klassen im naturwissenschaftlichen Unterricht bei Frau Berleth und Frau Steup nach.

Bei vielen Heißgetränken darf er nicht fehlen: der Milchschaum. Fast in jedem Haushalt findet sich ein elektrischer Milchaufschäumer und jeder weiß, was zu machen ist: Man legt die Batterien ein, betätigt den Schalter, der Quirl führt schnelle Drehbewegungen aus und bereits nach wenigen Minuten hat man feinsten Milchschaum. Aber wie kommt es zu der Drehbewegung? Welchen Weg nimmt die Energie?

Um diese Frage zu klären, sammelten unsere LernerInnen zunächst Vermutungen, wie das Innere des Milchaufschäumers aufgebaut sein könnte und bildeten dann Expertengruppen, die sich mit der Demontageanleitung vertraut machten und griffen schließlich beherzt zum entsprechenden Werkzeug, um den Milchaufschäumer zu demontieren. Hierbei ging es gewiss nicht um das reine Zerlegen. Es galt herauszufinden, wie die einzelnen Bestandteile angeordnet sind, um so auf ihre jeweilige Funktion bzw. Aufgabe schließen zu können.  

Mit ihrem Vorwissen war es den LernerInnen ein Leichtes, die Bestandteile eines Stromkreises auszumachen. Teil des Stromkreises ist auch ein aus vielen Einzelteilen zusammengesetzter Elektromotor, der letztlich für die Drehbewegung des Quirls sorgt.

Wenn Sie jetzt neugierig sind und Genaueres erfahren möchten oder sich fragen, wie aus elektrischer Energie, Energie in Form einer Drehbewegung wird oder was überhaupt das EVA-Prinzip ist, dann fragen Sie doch einmal bei einem der `Wissenschaftlerinnen´ der 6. Klassen nach.

Neulich auf dem Schulhof: "Hallo Frau Ingenhoven, ich habe für mein Kunstprojekt meine Klarinette am Ende dieser Woche dabei. Können Sie sie vielleicht gebrauchen?" „Natürlich kann ich das – und die passende Lernerin gleich dazu.“  – Ein kurzer Dialog, der wenig später meinen Musikunterricht bereichern sollte.

Die Lerneinheit Instrumentenkunde nehmen wir zwar erst in ein paar Wochen durch, aber diese Gelegenheit war zu schön, um sie einfach verstreichen zu lassen. So kam es, dass Johanna (8a) den Musikunterricht unserer 5. Klassen mitgestalten durfte – ausnahmsweise als meine Assistentin! Den jüngeren Lernerinnen und Lernern erklärte sie selbstständig und sehr fachkundig, wie man mit der Klarinette umgeht und sie zeigte ihnen zugleich Parallelen zu ihrem anderen Lieblingsinstrument, dem Saxofon, auf.

Unsere Lernerinnen und Lerner der beiden 5. Klassen waren restlos begeistert!  

 

Vielen Dank Johanna für dieses tolle Engagement!

 

 

 

In der letzten Stunde vor den Osterferien traf sich die Schulgemeinschaft des Raiffeisen-Campus zur 8. Schulversammlung in diesem Schuljahr. Da die letzte Schulversammlung erst kurz zuvor stattgefunden hatte, gab es diesmal nur wenige Geburtstagskinder. Dennoch zeigten die weiteren Tagesordnungspunkte die Dynamik des Schulalltags am RC.

So wurde Palina für die erfolgreiche Teilnahme am Vorlesewettbewerb gratuliert, und in die Gruppe der Schulsanitäter konnten nach der erfolgreichen Absolvierung der Prüfungen weitere Schulsanitäter feierlich aufgenommen werden. Außerdem wurden die Lerner über die Ergebnisse der eine Woche zuvor stattgefundenen Juniorwahl informiert.

Neben diesen informationsreichen Programmpunkten zeigten die folgenden kulturellen Programmpunkte einmal mehr die didaktische Vielfalt und die Kreativität am Raiffeisen-Campus: Anhand eines Videos wurde ein im Deutschunterricht entstandenes Theater zu der berühmten Ballade „Der Handschuh“ von Friedrich Schiller gezeigt. Darüber hinaus konnten die Lerner einem chinesischen Frühlingsgedicht lauschen (mehr dazu in einem eigenen Artikel). Abschließend präsentierte die Klasse 6a das Lied „Neue Brücken“, das zwar bereits 1993 erschienen, aber bis heute noch aktuell ist.

Nach diesen kulturellen Beiträgen durfte natürlich auch die schon lieb gewonnene „Lobrunde“ nicht fehlen. Wie immer freuen sich die nominierten Lerner – einen schöneren Ferienbeginn kann man sich nicht wünschen. Insgesamt hat auch die letzte Schulversammlung einmal mehr gezeigt, wie vielfältig der Schulalltag am Raiffeisen-Campus sein kann.

An dieser Stelle allen Mitwirkenden ein herzliches Dankeschön, insbesondere Max, der nicht zum ersten und sicherlich auch nicht zum letzten  Mal die Technik bei der Schulversammlung überwachte.  

 

 

Die folgenden Ausführungen basieren auf einem Vortrag, den der Autor zum Thema „Lernen und Lernen am Raiffeisen Campus“ auf der Bildungsmesse „Didacta“ in Köln hielt. Der Vortrag verfolgte zwei Hauptziele: Zum einen sollte das Publikum Einblick in das innovative Verständnis des zentralen Begriffs „Lernen“ am Raiffeisen-Campus gewinnen und zum anderen zeigte der Vortrag, welche Rolle itslearning bei der Implementierung dieses Lernbegriffs bisher spielt.

Beim Anschauen eines sogenannten Vexierbildes sieht ein bestimmter Betrachter ganz schnell eine Lösungsmöglichkeit. Ein weiterer Betrachter nimmt zuerst eine andere Lösungsmöglichkeit wahr. Ein dritter Betrachter wiederum erkennt erst nach einiger Zeit überhaupt etwas: Jeder Mensch nimmt die Welt anders, d.h. individuell, wahr. Die Sicht eines Menschen auf die Welt bleibt den anderen Menschen oft verborgen, weil sie subjektiv ist. Genauso verhält es mit dem Lernen. Lernprozesse sind komplex, und Lerngegenstände werden unterschiedlich wahrgenommen. Und jeder Mensch hat ein eigenes Lerntempo, eigene Lerninteressen etc. Manche verstehen einen mathematischen Sachverhalt schnell, andere brauchen dafür mehr Zeit.

Nach diesen Erfahrungen funktioniert Lernen nicht im Sinne von „Eintrichtern", „Füllen" oder „Vollstopfen“. Unterschiedliches Denkvermögen wäre so nur eine Folge von Kapazität und Füllstand des Gehirns. Ein anderes Modell für Lernen aus einem physikalisch geprägten Weltbild stärkte in den letzten Jahrhunderten die Vorstellung von Wahrnehmung als Abbildung. Das Gehirn zeichnet sich, so der allgemeine Tenor dieser Denkrichtung, mit Hilfe der Sinne ein möglichst getreues Abbild der Realität. Im Zusammenhang mit Lernen passen hier Begriffe, wie „ Einsehen“, Erfassen“, „Packen“, „Lernerfolg“ und vor allem „Üben“. Das Verstehen soll erzwungen werden, indem der Inhalt genügend oft wiederholt oder präsentiert wird. Eine Didaktik der Mathematik empfiehlt für den Lernerfolg in der Erarbeitung ein genügend scharfes und rein gezeichnetes Vorbild. Dies durfte ich in meiner Ausbildung erfahren. Hier lag der Fokus bzgl. der Qualität einer Unterrichtsstunde vor allem in der mathematischen Exaktheit des Lehrers. 

Nach Erkenntnissen aus der Gehirnforschung benötigt ein erfolgreicher Lernprozess aber mehr. Lernen ist ein vom Gehirn gesteuerter Selbstgestaltungsprozess mit Hilfe von Wahrnehmungen. Dazu gehören vor allem auch soziale Signale. Eine Bedeutungsübertragung bzw. einen Wissenstransfer zwischen Gehirnen gibt es nicht. Belehrungen funktionieren daher  nicht, jeder Mensch konstruiert sich seine Welt selbst. Der Lernende bestimmt selbst, was er lernt und wie er lernt. Verstehen kann man nicht erzwingen. Der Lernprozess wird wesentlich verstärkt durch persönliche Betroffenheit und soziale Interaktionen. Stärkste Motivation ist dabei das Gefühl, beim Erklären des Lerninhaltes von anderen Menschen verstanden zu werden.

Damit ist nun auch der Titel, in welchem ein erwartetes Wort fehlt, erklärbar: Lehren im Sinne der Belehrung ist unmöglich. Unterricht, wie man ihn eventuell aus der eigenen Schulzeit kennt, führt keinesfalls gezielt – und noch weniger automatisch –  zum Lernerfolg. Lernende und Lehrende müssen sich immer an der Zielstellung des erfolgreichen Lernens neu orientieren. Der Lehrende wird zum wichtigen Lernbegleiter und immer wieder auch selbst zum Lerner. Wichtige Faktoren in der Schule sind daher u.a. Beziehung, Zeit und Kommunikation.

Doch oft ist in der Schule vor allem die Zeit knapp. Dies verhindert Kommunikation und schwächt die Beziehung zwischen Lehrern und Lernern, aber auch zwischen Lehrern und Lehrern.

Derzeit arbeiten wir bereits im dritten Schuljahr mit dem Lernmanagementsystem itslearning. Der erste Schritt nach der Gründung des Raiffeisen-Campus war ein Lehrerwiki im Intranet der Schule. Zwei Jahre später waren die Anforderungen an das System so gestiegen, dass wir zur erfolgreichen Erfüllung unserer Ziele auf ein professionelles System umgestiegen sind. In einem ersten Schritt erfolgte die Implementierung der Schulorganisation in itslearning, und das Lehrerteam nahm sich ein Jahr Zeit, um das System kennen zu lernen. Für die Teamarbeit  wichtig sind ein virtuelles Lehrerzimmer und die Gruppenkalender. Nach diesem ersten Jahr begann auch das Projekt Lernerlaptop für einen auf itslearning gestützten Unterricht.

Die Kommunikation im Lehrerteam über itslearning hat die Transparenz aller pädagogischen Prozesse zum Ziel. Beispiele dafür sind die Vernetzung der Klassenteams oder die Dokumentation von Lernstands- und Elterngesprächen und den dort gemeinsam getroffenen Vereinbarungen.

Eine Ganztagsschule ist nicht nur Lern- sondern auch Lebenswelt. Gutes Lernen bedarf einer individuellen Förderung und Forderung. Die Umsetzung der dafür notwendigen  Organisation und Kommunikation erfolgt über itslearning. Es werden individuelle Lernumgebungen generiert, die dabei helfen, den eigenen Rhythmus zu finden und Lernstrukturen selbst zu bestimmen. Damit schafft itslearning die Grundlage für das Feedback und damit die Möglichkeit, individuelle Lernprozesse nachhaltig zu steuern. 

Zukünftig soll itslearning uns dabei helfen, diese Feedbackkultur nachhaltig zu etablieren und individuelle Lernpfade für jeden Lerner sichtbar zu machen. Bisher haben wir das enorme Potenzial und die Möglichkeiten dieses Lernmanagementsystems nur im Ansatz erschlossen. In den nächsten Jahren werden wir uns im Rahmen der Schulentwicklung weitere Bereiche Schritt für Schritt erschließen.

Ein wichtiger Schritt wird dabei das Nutzertreffen itslearning in Verbindung mit einem Medientag zu digitalem Lernen am Raiffeisen-Campus sein. Die Veranstaltung Wireless Learning – Individualisieren und Vernetzen, welche am 29. und 30.9.2016 stattfindet, wird mit der Lernmanagementplattform itslearning die notwendigen Impulse für unsere Schulentwicklung geben.