Offenbar kommt die Institution Schule ohne einen gewissen Grad an Formalismus, wie er beispielsweise in der festgelegten Anzahl von bestimmten Prüfungsformen in bestimmten Jahrgangsstufen und in bestimmten Fächern oder in der fest terminierten Ausstellung von Schulzeugnissen Niederschlag findet, nicht aus.

Allerdings bildet dieser Formalismus, dessen Kennzeichen oft Daten und mathematische Zahlen sind, nur einen Bruchteil des pädagogischen Bildungsauftrags der Schule ab. Unsichtbar bleiben dabei oftmals die Lernenden selbst, ihren individuellen Bildungsweg und ihre persönlichen Lernbedarfe. Beides – die Voraussetzung erfolgreichen Lernens –  wird bisweilen lediglich an Noten, d.h.an mathematischen Zahlen abgelesen, obgleich diese im günstigsten Fall nur eine begrenzte Aussage über die punktuelle Leistung einer Lernerin bzw. eines Lerners zu einem überschaubaren Thema ermöglichen, keineswegs aber Rückschlüsse auf ihr bzw. sein Leistungs- und Entwicklungspotenzial begründen, das es doch gezielt zu fördern und individuell zu begleiten gilt.

Um dieser Diskrepanz entgegenzutreten, hat der Raiffeisen-Campus ab diesem Schuljahr Lernentwicklungsgespräche (LEG) für die 7. Jahrgangsstufe eingeführt – ein pädagogisches Konzept, das unserem Selbstverständnis als Lernbegleiter (statt Lehrer) entspricht. 

Kurz nach Beginn des laufenden Schuljahres wurden die Lernerinnen und Lerner der beiden 7. Klassen und ihre Eltern zu einem Lernentwicklungsgespräch eingeladen, das nun am Donnerstag, dem 13. und am Freitag, dem 14. November 2015 auf dem Raiffeisen-Campus stattfand. Zwar es ist noch zu früh, eine tragfähige Aussage über den Einfluss dieses Lernentwicklungsgesprächs auf das künftige Lernverhalten unserer Lernerinnen und Lerner zu treffen, doch haben nahezu alle Lernerinnen und Lerner sowie ihre Eltern diesen Termin wahrgenommen. Und der Eindruck, den sie von den Lernentwicklungsgesprächen gewonnen haben, war sehr positiv. Die Gespräche wurden nicht nur atmosphärisch als angenehmen, sondern auch inhaltlich insgesamt als sinnvolles pädagogisches Instrument empfunden.  

Worin bestehen nun die Besonderheit und vor allem der pädagogische Mehrwert von Lernentwicklungsgesprächen? Lernentwicklungsgespräche unterscheiden sich von den üblichen Zusammenkünften zwischen Eltern und Lehrkräften, so wie wir sie beispielweise als  Elterngespräche kennen, die wir nach wie vor anbieten. Grundidee der LEGs ist es, die Lernenden für ihre Lernbedarfe und Eigenverantwortung im Lernprozess zu sensibilisieren und sie auf ihrem individuellen Bildungsweg zu begleiten. Das Gespräch dauert in der Regel 20-30 Minuten und findet im Wesentlichen zwischen der Lernerin bzw. dem Lerner und der Klassenlehrerin bzw. dem Klassenlehrer  statt.

Unabhängig vom Leistungsstand des Lernenden verfolgt das LEG das Ziel, jedem Lernenden sein persönliches Entwicklungspotenzial bewusst zu machen. Die Klassenlehrerin bzw. der Klassenlehrer tauscht sich mit dem Lernenden über notwendige oder als sinnvoll erachtete Fördermöglichkeiten aus. Am Ende des Lernentwicklungsgesprächs formulieren Lerner/in und Klassenlehrer/in  eine Lernzielvereinbarung, denn nur wer sein Ziel kennt, findet auch den Weg dahin.

Der Lernzielvereinbarung liegen in der Regel die Selbsteinschätzung des Lernenden sowie die Fremdeinschätzung der Eltern und der Klassenlehrerin bzw. des Klassenlehrers zugrunde. Die Lernzielvereinbarung ist ein Kernelement des LEGs, denn klar und realistisch formulierte Ziele vermitteln den Lernenden Sinn und stiften Eigenverantwortung. Außerdem machen sie den Lernfortschritt auch für den Lernenden selbst erkennbar und  rücken die angestrebten Ergebnisse in den Fokus. Nicht zuletzt bündeln sie geistige und körperliche Energie.

Mit den Lernentwicklungsgesprächen will der Raiffeisen-Campus alle Lernenden gezielt voranbringen. Denn auch gute Lernerinnen und Lerner können besser werden.

 

 

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