Ja, ich packe gerne Geschenke aus und finde Geschenke großartig. Und Schenken noch schöner als Beschenkt-Werden, denn die Augen meiner kleinen Tochter sind auch um Mitternacht noch hellwach, wenn wir aus der Christmette nach Hause zurückkehren (natürlich nach einem kleinen Nickerchen im Auto…). Und ihre Augen strahlen dann heller als die Kerzen auf dem Weihnachtsbaum, den sie dann zum ersten Mal sieht. Und ich fühle mich mit jedem Geschenk, das sie auspackt, selbst beschenkt…

Geschenke waren lange Zeit in manchen Kreisen verpöhnt, weil sie, so der Vorwurf, den Blick auf das verstellten, was Weihnachten ausmache: Die göttliche Geburt eines kleinen Kindes in sozial benachteiligten Verhältnissen: Vaterschaft obskur, Mutter viel zu jung und beide Eltern relativ arm. Die Gäste: soziale Randgruppen (Tierpfleger) und (ja!) Tiere, denn die Geburt findet nicht im Kreißsaal, sondern in einem landwirtschaftlichen Nebengebäude eines Motels statt, so berichtet Lukas, ungefähr jedenfalls…

Ich möchte widersprechen: Geschenke, finde ich, sind etwas Großartiges, denn sie symbolisieren das Geschenk von Weihnachten: Gott, der es aufgegeben hat, uns per Sintflut und Plagen zu disziplinieren, wird ein herunter-gekommener Gott. Jesus, ganz der Vater, schenkt sich uns so ohnmächtig allmächtig wie wir alle mächtig oder ohnmächtig sind. Denn wir selbst entscheiden über unseren Einfluss auf die Welt. Wollen wir das Göttliche in uns und anderen wecken, dann verschenken wir unsere Zeit und unsere Energie. Und dann merken wir, dass das Schenken unser Ich stärkt, denn die Freude in unseren Kindern zu wecken ist schöner, als uns selbst etwas Teures zu kaufen.

Schenken wir also einander Geschenke (und beschenken damit ja auch diejenigen, die davon leben, dass wir bei ihnen solche Geschenke kaufen) und schenken wir einander aber auch und besonders Zeit und Energie in diesen Tagen. Zum Beispiel dadurch, dass die einfache Regel gilt, dass niemals zwei Familienmitglieder unterm Weihnachtsbaum gleichzeitig ein Geschenk öffnen. Ein kleiner Tipp zur Achtsamkeitsübung, der die Freude vermehrt… Das Auspacken dauert dann noch länger.

Ich wünsche allen am Raiffeisen-Campus und um ihn herum ein schönes Fest und allen Christen unter Ihnen, dass Sie GottesDienst spüren, wenn Sie in die Kirche gehen, und wieder neu erkennen, wie großartig eine Religion ist, die stolz und feierlich erinnert, dass ihre Gründung im Gegenteil von Pomp und Glitzer liegt – das Baby liegt ja in einer ärmlichen Krippe in einer scheinbar gottverlassenen, von Römern besetzten Provinz. Wir wissen, dass das irdische Leben dieses göttlichen Babys scheinbar an einem Kreuz enden wird, aber nur um sich nicht unterkriegen zu lassen und neu aufzustehen zu einem Leben, das uns allen versprochen ist. Lassen Sie das Leben dieses Kindes mit Ihrem kreuzen – es wird Ihnen gut tun,

wünscht Ihnen und Ihren Familien

Ihr Bernhard Meffert, Religionslehrer am Raiffeisen-Campus

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