Schon Pestalozzi wusste, dass ganzheitliches Lernen nicht nur mit dem Kopf stattfindet, sondern auch Hand und Herz mit einschließt. So bekamen die Lernerinnen und Lerner in den Grundkursen Biologie von Frau Berleth und Herrn Wenzel die Gelegenheit, sich dem Thema "Organsysteme des Menschen" nicht nur theoretisch zu nähern, sondern auch Hand an ein echtes Schweineherz zu legen.

Schon die äußere Betrachtung brachte zunächst die Köpfe zum Rauchen, als es beispielsweise darum ging, die Lage der etwa faustgroßen Herzen im Körper herauszufinden und die verschiedenen zu- bzw. abführenden Blutgefäße richtig zuzuordnen. "Wo ist denn noch einmal vorne, welcher Teil liegt dann links bzw. rechts und welche dieser ‚Schläuche‘ sind jetzt die Arterien oder Venen?" – solche Fragen schwirrten emsig durch den Raum. Mit Hilfe eines Glasstabs, der in die Gefäße geschoben wurde, konnten jedoch bald Vorhöfe und Kammern richtig identifiziert werden. Auch die Herzkranzgefäße, deren Verstopfung oder Verschluss die Hauptursache für Herzinfarkte darstellt, waren gut erkennbar.

Um herauszufinden, wie das Herz einen gerichteten Blutfluss gewährleistet, galt es nun handgreiflich zu werden und einen Blick in das Innere freizulegen. Sorgfältig wurde mit einem Skalpell das Herz seitlich aufgeschnitten und aufgeklappt. Aufmerksamen Beobachtern fiel sofort auf, dass die linke Kammermuskulatur viel stärker ausgeprägt ist als die rechte, da von dort aus das Blut über die Aorta mit hohem Druck im ganzen Körper verteilt wird. Doch was waren die seltsam weißen, fädigen Strukturen in den Hauptkammern? Hier half ein selbst gebasteltes Modell schnell auf die Sprünge: Bei den entdeckten Strukturen handelte es sich um die Segelklappen, welche beim Zusammenziehen der Hauptkammern verhindern, dass das Blut zurück in die Vorhöfe gepresst wird, sondern stattdessen in die Lungen- und Körperarterien gelangt. Auch an den Ausgängen zu den Arterien waren ventilartigen Strukturen zu finden, die so genannten Taschenklappen. Diese sind zwar etwas anders gebaut, sorgen aber zusammen mit den Segelklappen in einem gut koordinierten Zusammenspiel dafür, dass das Blut in einem klar gerichteten Kreislauf fließt. Einige geschickte Präparatorinnen und Präparatoren entdeckten sogar, dass die Herzscheidewand zwischen den Vorhöfen nur hauchdünn ausgebildet ist. Dieses ovale Fenster, welches erst nach der Geburt zuwächst, ermöglicht bei ungeborenen Kindern, dass das Blut direkt vom rechten in den linken Vorhof gelangt, da die Lunge im Mutterleib ja noch nicht belüftet ist.

Obwohl sorgfältig gearbeitet wurde, stellte  die Orientierung während der Präparation die größte Herausforderung dar und so blieb auch die entscheidende Erkenntnis, dass ein solches Organ im Original deutlich komplizierter und weniger übersichtlich gebaut ist, als ein Modell oder eine Filmanimation zunächst erahnen lässt. Auch zunächst skeptische oder zurückhaltende Lernerinnen und Lerner wagten sich interessiert immer näher heran und stellten fest, dass man zwar nicht unbedingt selbst Hand anlegen muss, aber ein Unterricht mit Herz auch den Kopf gehörig fordert.

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