Noch vor der Zeugnisfeier und noch leicht übernächtigt von einem rauschenden Schulfest am vorigen Tag kamen die rund 200 Lernerinnen und Lerner mit dem Lehrerteam und einigen Eltern zum Gottesdienst zusammen. Frau Berleth und Frau Schade hatten den Gottesdienst vorbereitet und unter das Symbol des Baums gestellt. Es war verpackt in einer alten Geschichte, deren Autor leider unbekannt ist. Sie hätte zum Zeugnistag nicht passender sein können.

"Die Palme… 

Durch eine Oase ging ein finsterer Mann, Ben Sadok. Er war so gallig in seinem Charakter, dass er nichts Gutes und Schönes sehen konnte, ohne es zu verderben. Am Rande der Oase stand eine junge Palme. Sie war schön gewachsen. Das ärgerte Ben Sadok. Darum nahm er einen schweren Stein und legte ihn der jungen Palme mitten in die Krone. Mit einem bösen Lachen ging er fort. Die Palme schüttelte sich und bog sich und versuchte, die Last abzuwerfen. Doch vergebens. Zu fest saß der Stein in ihrer Krone. Da krallte sich die Palme fest in den Boden, schickte ihre Wurzeln so tief in die Erde, dass sie die verborgenen Wasseradern in der Oase erreichten, wuchs empor und stemmte dabei mit aller Kraft den schweren Stein hoch und höher, bis die Krone mit den großen Palmenfächern über jeden Schatten hinausreichte. Wasser aus der Tiefe und Sonnenglut aus der Höhe halfen dem jungen Baum, trotz seiner schweren Last eine königliche Palme zu werden. Nach vielen Jahren kam Ben Sadok wieder. Schadenfroh wollte er den verkrüppelten Baum sehen, den er, wie er meinte, verdorben hatte. Er suchte ihn, aber er fand ihn nicht. Da senkte die stolzeste und höchste aller Palmen ihre Krone, zeigte ihm den Stein und sagte: Ich danke dir, Ben Sadok. Deine Last hat mich stark gemacht."

Nach dem Gottesdienst versammelten sich alle im neuen Forum und erhielten aus der Hand ihrer Klassenleiter ihre Zeugnisse. Vorher hatte Schulleiter Meffert je einem Lerner pro Klasse den Sozialkompetenzpreis für besonders Wir-betontes Verhalten in der Klassengemeinschaft überreicht und Frau Maier zahlreiche "FIT47"-Kompetenzzertifikate an die Sechstklässler überreichen können.

Die Zeugnisfeier stand unter erheblichem Zeitdruck, sollten doch alle Kinder rechtzeitig ihre Busse erreichen. Und dennoch blieb Zeit für einen persönlichen Abschied von den scheidenden Lehrerinnen und Lehrern und für ein fröhliches "Schöne Ferien".

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