Liebe Schulfamilie, es gibt an Weihnachten Geschenke, die man nicht abweisen kann. Man kann daran glauben oder nicht, man bekommt sie dennoch. Man kann sie aber ignorieren und dann können sie keine Freude entfalten. Ich wünsche Ihnen für die kommenden Tage, dass Sie diese Geschenke, die man nicht sehen oder hören, fühlen oder schmecken kann, dennoch wahr-nehmen und wert-schätzen. Denn diese Geschenke sind das, was Weihnachten ausmacht.

Christen glauben daran, dass Gott uns als seine Kinder geschaffen hat, uns aber wie jeder gute Vater unsere Freiheit lässt. Sogar die Freiheit, nicht an ihn zu glauben. Unsere Religion ist also weder totalitär, noch asketisch, nicht angstmachend. Sie ermöglicht ein Leben in Fülle und ist (oder soll es zumindest sein) befreiend, lebensbejahend, mutmachend. Viele dieser Aspekte teilen wir mit anderen Religionen. Und in diesen Tagen ist der Aspekt des Mutmachens entscheidend.

Unser Land ist trotz geringerer persönlicher Gefahren als jemals zuvor ängstlicher denn je. Während die Generation unserer Eltern als Kinder noch vor Bomben und Tieffliegern flüchten musste, leben wir seit unserer Geburt in einem friedlichen Land. Wir haben sogar durch den Mut vieler Menschen, die sich auch vor den Gewehren der Polizisten und Soldaten nicht fürchteten, unser lange geteiltes Land geeint. Warum also diese Ängstlichkeit?

Wir sollten unseren Kindern ein Vorbild sein. An Mut. An Zivilcourage. An Engagement, auch in der Politik unserer Gemeinden und Städte. Und vielleicht, wenn Sie möchten, auch an Gottvertrauen. Nicht dem Gottvertrauen vergangener Zeiten, in denen der liebe Gott für die Probleme der Menschen verantwortlich gemacht wurde. Sondern an Vertrauen, dass man aus dieser Welt nicht gehen kann, ohne in seine Hand zu fallen. Das gilt auch für die 12 Opfer von Berlin und die 18 000 Kinder, die täglich an Hunger sterben.  Statt uns vor dem Tod zu fürchten, sollten wir alles gegen ihn tun, was in unserer Macht steht und gleichzeitig unser Wertesystem nicht verbiegt. Das uns nicht unfrei, ängstlich, mutlos oder hartherzig macht.

Zum Schluss ein leicht spöttisches Gedicht von Wilhelm Busch, das zum Anfang dieses Artikels zurückverweist, der natürlich nur meine eigene Meinung wiedergibt: Er mahnt erneut, das Geschenk anzunehmen, das uns geschenkt wird.

Ich wünsche Ihnen frohe Weihnachten!

Ihr Bernhard Meffert, Religionslehrer am Raiffeisen-Campus

Stern

von Wilhelm Busch (1832 – 1908)

Hätt einer auch fast mehr Verstand

als wie die drei Weisen aus Morgenland

und ließe sich dünken, er wär wohl nie

dem Sternlein nachgereist wie sie;

dennoch, wenn nun das Weihnachtsfest

seine Lichtlein wonniglich scheinen läßt,

fällt auch auf sein verständig Gesicht,

er mag es merken oder nicht,

ein freundlicher Strahl

Des Wundersternes von dazumal.

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