Kurz vor Yantai wurden wir für die Strapazen der vergangenen Nacht mit einem schönen Sonnenaufgang, Feldern und noch blühenden Bäumen etwas entschädigt. Zwar nicht ganz so romantisch wie es klingt, betrachtet durch die Waggonfenster aber ein Hoffnungsschimmer. Und vor allem: kein Smog!

Tag-5a-Yantai-Schule

Am Bahnhof von Yantai, einem einst kleinen Fischerdorf, das sich in nur wenigen Jahren zur expandierenden 6-Millionen Stadt gewandelt hat, wurden wir bereits sehnlich erwartet und auf direktem Wege zu unserer Partnerschule eskortiert. Das Schulareal im eher westlich-kolonial gehaltenen Stil beeindruckte uns bereits auf den ersten Blick mit seinen Dimensionen. Drei große Hauptgebäude, ein Laborkomplex, ein zweistöckiger Mensabau, ein eigenes Theatergebäude, mehrere Wohnheime sowie riesige Sportanlagen mit Schwimmbad wirkten wie eine eigene, eingezäunte und seltsam entrückte Stadt für mehr als 2000 junge Menschen von 3-18 Jahren.

In der Aula erwartete uns ein herzlicher Empfang durch die Direktorin Frau We. Die zweiten Klassen hatten eigens für uns ein Lied einstudiert und brachten mit ihrer Vorstellung unsere Herzen im Nullkommanichts zum Schmelzen. Beim anschließenden Gruppenfoto fühlten wir uns zugegebenermaßen schon etwas schäbig, so völlig ungeduscht und übermüdet im Reiseoutfit aus dem Zug. Doch bevor wir richtig Zeit zum Nachdenken hatten, hieß es schon Antreten zum wöchentlichen Fahnenappell. Ein Ritus an dem alle Schulmitglieder gemeinsam teilnehmen und der aufgrund der eben erst zu Ende gegangenen Ferien diesmal etwas mehr Zeit als üblich in Anspruch nahm. Es war allerdings beruhigend zu sehen, dass auch die Kinder in China entgegen aller Erwartungen von Drill und Disziplin nicht minder Schwierigkeiten hatten, sich längere Zeit still auf den Beinen zu halten, wie irgendwo sonst auch auf der Welt.

Spannend für beide Seiten: Unser erster Unterrichtsbesuch in China

Im Anschluss erhielten wir Gelegenheit, verschiedene Klassen und Jahrgangsstufen im Unterricht zu besuchen. Von klassisch traditionellem Frontalunterricht mit Aufstehen beim Antworten bis hin zu mehrsprachiger Gruppenarbeit war ein breites Spektrum vertreten. Unser Austausch erfolgte mit dem „experimental Department“ der Schule, welches sich aktuell der Erprobung verschiedener neuer Methoden und Strukturen widmet. Dass die Schule in Yantai erst seit zwei Jahren existiert, zeigte sich daher auch in den sehr unterschiedlichen Englischkenntnissen der Schüler, welche unsere Jugendlichen vor die ein oder andere kommunikative Herausforderung stellten. Umso überraschender überzeugten die Grundschüler mit hervorragenden Gesprächen, Sprachroutine und großem, kindlichen Interesse – hier war schnell eine kleine Fanbasis geschaffen. In den letzten beiden Stunden widmeten sich schließlich alle Klassen dem Austausch der Kulturen, bei dem unsere Lernerinnen und Lerner neben kleineren Vorträgen über unsere Schule auch die verschiedensten Fragen zum Leben in Deutschland erwarteten.

Kurz vor Schulschluss war die Nervosität auf beiden Seiten nun noch einmal förmlich greifbar, als es um die Zuteilung der Austauschpartner und Gastfamilien ging. Nachdem sich alle erfolgreich gefunden, die ersten Hürden überwunden wurden und alle sich auf den Weg nach Hause gemacht hatten, hieß es auch für uns die Zimmer im Wohnheim zu beziehen und nach einem Abendessen in der Mensa sowie einer ausgiebigen Dusche erschöpft aber zufrieden ins Bett zu fallen.

 

Hi, We