Zen Garten im Zentrum der Stadt

Heute sollte es in die nächste Etappe gehen, mit dem Nachtzug zu unserer Partnerschule nach Yantai. Damit alle die Reise gut gewappnet und erholt antreten konnten, hieß es ausschlafen und später frühstücken. Am Abend zuvor hatten wir Lehrer in der Nähe noch eines der seltenen, älteren Wohn- und Einkaufsviertel entdeckt und machten uns nun mit der ganzen Gruppe auf den Weg dorthin. Hier entdeckten wir einiges das uns zeigte, wie ein Teil der Gesellschaft in Beijing zwischen modernen Hochhäusern, Baustellen und Kulturstätten noch lebt. Zur Abwechslung einmal kleine Häuser, bunte Geschäfte voller Süßigkeiten, Seidenschals oder Lebensmittel, Obstmärkte, Metzgereien, Handwerk, Coffeeshops mit westlichen Namen und gar ein kleiner Park, eine Oase des Friedens in der Alt und Jung sich mit musizieren, spielen oder Stickerei die Zeit vertrieben. Es war fast so, als würde man einen kleinen Blick hinter die Kulissen vergangener Jahrzehnte werfen. Zu schade nur, dass der Smog nun zunehmend schlimmer wurde. Nach unserer Rückkehr zum Hotel checkten wir aus und fuhren mit unserem Reiseführer Haoh zum Himmelstempel, einer traditionellen Zeremonienstätte für die Bitte um gutes Wetter für die Ernte. Das größte Gebäude in der Tempelanlage, der kreisrunde Turm, welcher auch „Halle des Erntegebets“ heißt, wurde komplett ohne Nägel gebaut und gilt als eines der bekanntesten Wahrzeichen Pekings.

Viel Platz war nicht im Zug nach Yantai

Nach den Menschenmassen der Vortage war die Parkanlage vergleichsweise angenehm leer, die meisten Chinesen befanden sich mit nahendem Ende ihrer Nationalfeiertage nun schon auf der Rückreise. So entdeckte witzigerweise ein Interviewteam der Universität Peking rasch unseren auffälligen Europäertrupp und befragte Lennart über kulturelle Unterschiede bei Erziehung und Freizeit in Deutschland.

Nach diesem Kulturaustausch der anderen Art ging es mit dem Bus zum Bahnhof, um mit dem Nachtzug nach Yantai zu fahren. Inzwischen hatte es zu regnen begonnen und bis wir uns den Weg durch die Einlasskontrollen am Bahnhof gekämpft hatten, waren alle völlig durchnässt. Zum Glück winkte uns mit KFC und Co. eine Stärkung aus der westlichen Welt, bevor wir, zusammen mit gefühlt tausend andere Reisenden, schließlich unseren Platz im Schlafwagen fanden. Nach der kurzen Erholung hatte uns China nun wieder voll im Griff – uns erwartete dicke Luft, gemütliche 3-Etagen Betten, eine breite Palette an Düften und Geräuschen aber eben auch ein zurückhaltendes, freundliches Volk. Die 14-stündige Fahrt haben wir mit einem chinesischen Kartenspiel, guten Gesprächen, diversen Snacks und einem überraschend guten Imbiss im Speisewagen ein wenig verkürzen können. Nur der ersehnte Schlaf wollte sich bei vielen nicht so richtig einstellen. Nachdem um 22.30 Uhr das Licht aus und die meisten Mitreisenden bereits in ihren Kojen waren, blieb uns auch nichts anderes übrig als der Versuch in den kleinen, harten Betten etwas Rast zu bekommen.

Hi/We