Unzertrennlich aber nicht kitschig-gemütlich, so stellt Toni Meier die heilige Familie dar. Sozial unterprivilegiert kommt in einer Absteige ein Kind zur Welt, von dem die beiden Eltern zumindest wissen, dass es nicht von Josef sein kann. Und wer nicht Christ ist, muss die menschliche Dramatik, die daraus entsteht, dennoch respektieren: Ein Mann steht zu seiner schwanger gewordenen Verlobten, lässt sie nicht steinigen und schickt sie auch nicht fort. Soweit die Fakten, die wohl unstrittig sein dürften.

Für Christen geht die Weihnachtsgeschichte weiter. Die Botschaft kommt bei Maria und bei Josef gleichermaßen und doch unabhängig von einander an: Dieses Kind hat etwas Göttliches, ist etwas Besonderes, braucht die Liebe seiner Eltern. Die scheinbare Unehelichkeit ist kein Makel, sondern zeichnet dieses Kind sogar aus, denn es hat schon vor der Geburt eine ganz besondere Beziehung zu Gott und Gott zu ihm.

Die Skulptur zeigt: Josef steht nicht nur zu Maria, sie gehören unzertrennlich zusammen, auch wenn das Kreuz mit ihrem Sohn schon sichtbar ist. Denn Jesus wird hier nicht als süßes Baby dargestellt, dessen Gliedmaßen unkenntlich in einer Decke verschwinden, sondern als einer, der seine Eltern verbindet und der das Kreuz seines Lebens überwinden wird. Die Genetik spielt übrigens zu Recht keine Rolle. Josef nimmt das Kind als sein eigenes an.

Weihnachten ist der Beginn einer Leidens- aber auch einer Erfolgsgeschichte, die bis heute Wirkung zeigt. Nehmen wir also Weihnachten als Verpflichtung und nicht nur als gemütlichen Backdrop für die Familienfeier. Die so genannte heilige Familie ist nicht konfliktfrei, aber loyal – sie ist nicht unkritisch, aber treu. Am scheinbaren Ende der Biographie Jesu steht seine Mutter unter dem Kreuz. Mehr Loyalität geht nicht, mehr Familiensinn ist nicht vorstellbar.

Weihnachten ist deshalb ein frohes Fest, weil die Geschichte von Jesus nicht am Kreuz endet, sondern im Licht der Osternacht. Genießen wir das Licht der Weihnachtszeit aber ignorieren wir bitte nicht die Dunkelheit, die dieses kleine Kind für uns in seinem Leben ertragen muss. Bis heute.

Findet, mit herzlichen Weihnachtsgrüßen,

Ihr Bernhard Meffert, Religionslehrer am Raiffeisen-Campus

0 Kommentare

Hinterlasse einen Kommentar

An der Diskussion beteiligen?
Hinterlasse uns deinen Kommentar!

Schreibe einen Kommentar