… sage ich immer am Ende der folgenden, leider wahren Geschichte, wenn ich danach gefragt werde: Weil nämlich ein Religionslehrer der Oberstufe darauf bestand, dass auch die Schlange im Heimbach-Weiser Zoo böse sei. Denn alle Schlangen seien, so erzähle es die Paradiesesgeschichte, von Gott verflucht, weil sie die Frau zur Sünde verführt hätten. Und darum bin ich Religionslehrer geworden. Schlichtweg, weil mir mein Glauben zu wichtig war, um ihn Fundamentalisten zu überlassen, die sich der Mühe entziehen, hinter scheinbar alten Texten zeitlose Wahrheiten zu entdecken und sie der Einfachheit halber wörtlich nehmen.

Aber ich bin auch Lehrer geworden, weil ich immer wieder mit jungen Menschen zu tun habe, die mich begeistern. So zum Beispiel vor wenigen Minuten einige 10jährige, die die Heilungsgeschichte des blinden Bettlers Bartimäus (Mk 10, 46-52) mit geringen didaktischen Hilfen als die Geschichte einer durch Vertrauen ermöglichten Selbstheilung erkennen. Eine Geschichte, in der Jesus seine Rolle als Herausforderer und ernsthafter Gesprächspartner für einen Menschen in akuter Not definiert und nicht als billiger Magier, der mit göttlichen Zaubertricks den Menschen ihre Last abnimmt. Im Gegenteil, er macht sie ihnen erst bewusst und ermöglicht ihnen so, sie abzulegen.

Nach dem eindrucksvollen Schlusswort eines Zehnjährigen aus unserer fünften Klasse gehe ich beschwingt in mein Büro zurück und weiß, dass das der eigentliche Grund ist, warum ich Religionslehrer geworden bin. Weil auf diese Weise junge Menschen vielleicht später Jesus nicht als fernen Wundertäter aus längst vergangener Zeit begreifen, sondern als hilfreichen Gesprächspartner, auch heute noch. Selbst wenn sie ihn nicht als Sohn Gottes sehen würden, bliebe er dann im Gespräch. Und das ist ja auch schon mal was, denke ich…

Bernhard Meffert, Religionslehrer am Raiffeisen-Campus

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