Vor Kurzem flog noch die Hexe Winnie im Deutschunterricht durch die Klassenzimmer der Orientierungsstufe, trieb allerlei Schabernack und verspeiste – gewöhnungsbedürftig – Spinnenbeine auf Reis. Doch, und hier herrschte Einigkeit im Publikum: Hexen gibt es gar nicht. Und auf Besen kann man auch nicht fliegen. Doch ein Blick in die Geschichte zeigt, dass Menschen als Hexen bezeichnet wurden und sie oft einen qualvollen Tod auf dem Scheiterhaufen fanden. Wie kann das sein?

Damit tauchten die Lerner in ein düsteres Kapitel der Geschichte ein: die Hexenverfolgungen in der Frühen Neuzeit (weniger im Mittelalter). Ursula Flacke hatte für ihre Lesung am Raiffeisen-Campus genau eine solche Geschichte, die auf Tatsachen beruht, im Gepäck. In ihrem Buch "Die Hexenkinder von Seulberg" beschreibt sie die Hexenverfolgung in diesem Örtchen und stellte dabei eine Einmaligkeit in der Geschichte in den Mittelpunkt: Aufgrund von Zeugenaussagen von Kindern, die zum Teil nicht älter als fünf Jahre waren, wurden in Seulberg insgesamt über 60 Menschen als Hexen und Hexer verurteilt und hingerichtet. 

Doch damit nicht genug: Ursula Flacke gelang es, diese scheinbar verstaubten Ereignisse vor rund 400 Jahren mit dem Hier und Jetzt, mit der Lebenswelt der Lerner in Verbindung zu bringen: Wie gehen wir heute eigentlich mit Andersdenkenden um? Wie sieht es mit unserer Klassengemeinschaft aus? Ist das Mobbing für uns ein Thema? Und nicht zuletzt: Was ist Recht? Und was ist Gerechtigkeit? 

Das Publikum wurde am Ende der Lesung recht nachdenklich in den Abend entlassen. Machte sich doch jeder Gedanken über diese Frage und das konkrete Miteinander in der Klasse und am Campus – es liegt an uns, wie wir unser Miteinander gestalten und es damit für jeden positiv gestalten. Gemeinsam zum Wohle aller, ohne Ellenbogen. Es wäre schön, wenn wir damit die Welt tatsächlich ein Stückchen besser machen könnten. Fangen wir in unserem direkten Umfeld an! 

0 Kommentare

Hinterlasse einen Kommentar

An der Diskussion beteiligen?
Hinterlasse uns deinen Kommentar!

Schreibe einen Kommentar