Ästhetische Forschung im Kunstunterricht der 6. Klasse
Kann man Wind sichtbar machen? Wie lässt sich das Fließen von Wasser darstellen, ohne eine Welle zu zeichnen? Und welche Form könnte die zerstörerische Kraft des Feuers annehmen?
Mit diesen Fragen beschäftigen sich die Lernerinnen und Lerner der 6. Klasse derzeit im Kunstunterricht. Zunächst sammeln die Kinder Erfahrungen und führen ein Materiallabor durch. Sie experimentieren mit verschiedenen Materialien wie Papier, Pappe, Draht, Stoff oder Alufolie: Was geschieht, wenn man sie biegt, faltet, verdichtet oder miteinander verbindet? Welche Eigenschaften besitzen sie und welche gestalterischen Möglichkeiten eröffnen sich dadurch? Bevor sie jedoch an ihre eigentliche Praxisarbeit gehen, werden die vier Elemente ästhetisch erforscht. Ästhetische Forschung bedeutet, die Welt mit allen Sinnen zu erkunden, Fragen zu stellen und durch eigenes Experimentieren, Beobachten und Reflektieren neue Erkenntnisse zu gewinnen, die zum Ausgangspunkt künstlerischer Gestaltung werden. So wurde Erde befühlt, geknetet und gepresst, die Bewegung des Wassers erkundet, die sich stetig verändernde Gestalt von Feuer beobachtet und das Strömen der Luft untersucht. Die Lernerinnen und Lerner sammeln ihre Beobachtungen, halten ihre Entdeckungen im Forschungstagebuch fest und entwickeln daraus eigene Fragen. Wahrnehmen, Experimentieren, Entdecken und Reflektieren werden zu wesentlichen Bestandteilen des künstlerischen Prozesses und bilden die Basis für eine größere plastische Arbeit, in der die Kinder eine selbst gewählte Eigenschaft eines Elements gestalterisch untersuchen.
Neben gestalterischen Fertigkeiten werden insbesondere kreatives Handeln und kritisches Denken gefördert. Vor allem aber erfahren die Kinder, dass Kunst nicht erst mit einem fertigen Werk beginnt. Schon das genaue Hinsehen, das Ausprobieren, das Fragenstellen und das Entdecken unerwarteter Möglichkeiten sind Teil künstlerischer Arbeit.




