Annegret Held liest Auszüge aus ihrem Roman vor.

Ein besonderes Highlight im Rahmen der Jubiläumsfeier zum 200. Geburtstag des Genossenschaftsgründers Friedrich Wilhelm Raiffeisen war die Lesung der Autorin Annegret Held am Montag, dem 4. Juni im Forum des Dernbacher Privatgymnasiums Raiffeisen Campus.  Die in Pottem/ Westerwald geborene Autorin las aus ihrem bekannten Roman „Armut ist ein brennend Hemd.“

Sichtlich erfreut über die zahlreichen und neugierigen Lerner, Eltern und Lehrer stellte Annegret Held im ersten Teil ihrer Lesung ausgewählte Auszüge vor, die nicht nur erahnen ließen, welchen Sog der Erzählfluss auflöst, sondern auch den außergewöhnlichen Titel ihres Werkes rechtfertigten: Behandelt wird darin der heute kaum vorstellbare Alltag im Westerwald Mitte des 19. Jahrhunderts, der von Armut, Kartoffelfäule und Tod geprägt war:“ Gott, hier war doch nichts, sagten die alten Leute, wir waren nichts, wir hatten nichts, da gab es nichts, gar nichts.“

Die Autorin erläutert den historischen Hintergrund ihres Romans.

„Armut ist ein brennend Hemd“ ist ein klassischer historischer Heimatroman. Er basiert auf wahren Begebenheiten, welche die Autorin erst nach akribischen Recherchen zu einem spannenden Roman hat formen können. Die Hauptfiguren ihres Romans seien keine literarischen `Kopfgeburten´, sagte Held zu Beginn des zweiten Teils ihrer Lesung, in der sie dem Publikum Einblicke in die Zeit der großen Hungersnöte im Westerwald gab. Sie habe diesen Roman unbedingt schreiben wollen, betonte Held, weil das ungeklärte Schicksal zahlreicher Westerwälder –Mädchen sie nicht in Ruhe gelassen habe. Diese wurden im 19. Jahrhundert von ihren verarmten Eltern gegen Bezahlung mit meist rücksichtslosen fahrenden Händlern auf die Reise geschickt. Nur wenige kamen unbeschadet zurück, andere zogen immer weiter, viele verschwanden spurlos.

Mit Hilfe von originalen Anschauungsmaterialien (Briefen, Verträgen und Fotos), die sie in Limburg, England und Australien gesammelt hatte, führte die Autorin die Zuhörer auf die Spuren der Westerwälder-Mädchen. Diese galten Mitte des 19. Jahrhunderts als talentiert, waren hübsch und deshalb in ganz Europa unterwegs. Viele von ihnen `strandeten´ in der Weltstadt London und wohnten ausgerechnet im Stadtteil White Chapel, jenem Elendsviertel, in dem Jack the Ripper, der berüchtigte mutmaßliche Serienmörder seinerzeit, sein Unwesen trieb.

Annegret Held erzählte die Geschichten um die Figuren ihres Romans so frisch, als seien sie erst gestern passiert –  eine authentische Erzählerin, die durch sprachliche Raffinesse und den Sinn für trockenen Humor ihre Zuhörer am Leben und Schicksal einfacher Menschen in vergangenen Zeiten Teil haben ließ. Dabei durfte ein besonderes Schmankerl nicht fehlen: Die Dialoge der Figuren ihres Romans wurden im originalen Westerwälder Dialekt wiedergegen – Ein absoluter Geheimtipp für jeden, der verstehen will, wie das Raiffeisenland tickt.

Frau Groß bedankt sich im Namen der Campus-Familie bei der Autorin für die tolle Lesung.

Mit minutenlangem Applaus feierten die Zuhörer die engagierte und talentierte Autorin für die sehr gelungene Lesung.