Am Raiffeisen-Campus ist der Kreativität der Lernerinnen und Lerner keine Grenzen gesetzt. Das zeigt sich nicht zuletzt auch in der Campus Cooking AG, die von Frau Kern betreut wird. Hier beschäftigen sich die Lerner mit Lebensmitteln und Kochen auf unterschiedlichste Weise und probieren verschiedene Möglichkeiten aus. Die Ergebnisse der ersten Stunden sind beeindruckend. 

Zum Start hatte sich die Leiterin der AG etwas Spannendes einfallen lassen: Ein Rätsel, bei dem alle Sinne gefragt waren, um gemeinsam herauszufinden, welcher Fruchtsaft in welcher Flasche ist. An der Suche nach der richtigen Lösung hatten alle Lerner sichtlich großen Spaß. Nachdem das Rätsel gelöst wurde, stellten sich die Lernerinnen und Lerner  der nächsten Herausforderung. Nun  ging es darum, aus den vorhandenen Säften die bestmögliche Kombination zu machen. Der klassische KiBa wird da vor Neid erblassen!

Auch beim Obst und Pfannkuchen zeigte sich, wie gut Teamarbeit funktionieren kann: eine Gruppe schneidet, eine Gruppe rührt, eine weitere Gruppe übernimmt das Kommando an der Pfanne. Die Lust am Ausprobieren zeigten die Lernerinnen und Lerner in der folgenden Woche auch beim Finger Food. Es galt, Gemüse zu schneiden und passende Dips zu kreieren. Zunächst wurde nach einem Grundrezept gekocht. Das Rezept erhielt dann aber schnell diverse Verfeinerungen durch die teilnehmenden Lerner.

Die Ergebnisse der ersten AG-Stunden können sich sehen lassen. Die folgenden Fotos zeigen einige spannende Phasen unseres Campus Cooking.

Wir freuen uns auf die nächsten kulinarischen Kreationen!  

Für die drei Kolleginnen der Deutsch-Fachkonferenz am Raiffeisen-Campus begannen diese Herbstferien mit dem Besuch der Frankfurter Buchmesse.

Unterricht soll nach unseren Vorstellungen stets die Lernerinnen und Lerner im Blick haben, sie voranbringen und sich dabei auf den aktuellen Wissensstand ausrichten. Deshalb wählen wir die Schulbücher und Lehrmaterialien mit großer Sorgfalt aus. Damit auch die neusten Werke Einzug am RC halten, haben Frau Maier, Frau Kern und Frau Groß an den Messeständen verschiedener Schulbuchverlage Gespräche geführt und Materialien gesichtet.

Doch auch abseits von Schulbüchern bereitete das Schmökern in der Welt der Literatur allen große Freude. Auch für die tagesaktuelle Belieferung mit renommierten deutschen Tageszeitungen bis zu den Weihnachtsferien konnte gesorgt werden. Die Lernerinnen und Lerner dürfen also gespannt sein!

An einem Samstag im Juni dieses Jahres haben 18 Lernerinnen und Lerner des damaligen 8. Jahrgangs ihre Englischkenntnisse schriftlich und mündlich sowie durch Lese- und Hörverständnisaufgaben extern testen lassen. Für die Vorbereitung auf die Prüfung Preliminary English Test  (PET) haben die Lernerinnen und Lerner einige Mittagspausen und freie Stunden freiwillig geopfert. 

Der Preliminary English Test  entspricht dem Niveau B1 des gemeinsamen Europäischen Referenzrahmens und ist die zweite Prüfung in einer Reihe von insgesamt fünf Prüfungen, welche die Universität Cambridge weltweit anbietet. Sie besteht aus einem Reading/Writing Test sowie einem Listening comprehension Test. Es folgt zeitlich versetzt ein Speaking Test mit externen Prüfern. Für viele Schulkinder in Deutschland haben diese Prüfungen verschiedene Vorzüge: Ihre Englischsprachkenntnisse werden auf einer international gültigen Vergleichsbasis geprüft. Zudem lernen sie andere Übungsarten und Prüfungsformate kennen.

Wer die Schule mit dem Cambridge Advanced English Certificate(C1) in der Tasche verlässt, erfüllt die sprachlichen Voraussetzungen für die Aufnahme eines Studiums an vielen Universitäten in englischsprachigen Ländern. Last but not least:  Diese Prüfungen werten den Lebenslauf auf.

Besonders stolz sind wir auf die Ergebnisse, die unsere Lernerinnen und Lerner erzielt haben. Von insgesamt 18 Teilnehmern haben zwei alle Prüfungsbereiche mit der Bewertung hervorragend, vier mit sehr gut und elf mit gut bestanden. Dieses Gesamtergebnis kann sich sehen lassen.

Wir gratulieren unseren Lernerinnen und Lernern zu diesem tollen Erfolg!

Wenn man sich aufmacht, braucht man nicht nur ein Ziel, sondern auch einen Ort, der es einem leichter macht, aufzubrechen und sich auf den Weg zu machen. Einen solchen guten Ort durfte der Raiffeisen-Campus auf Anfrage der Gemeinde Dernbach Ende September für die Familienwallfahrt der Bistümer Aachen, Köln, Trier und Limburg sein. Herr Born und Herr Meffert, Letzterer brachte sich familiäre Unterstützung mit, warteten bereits mit frisch gekochtem Kaffee und dem Big Apple Pie (frisch vom Vortag, dem Big Apple Day) auf die Familien. Und die staunten nicht schlecht, als Schulleiter Meffert ihnen eröffnete, was am Vortag im Forum stattgefunden hatte und dass der Kuchen tatsächlich von den Kindern gebacken worden war. 

Nach der Begrüßung durch die Gastgeber übernahmen die geistlichen Begleiter das Mikrofon und führten in den Tag ein. Dabei waren die Vortragekreuze wie auch das Symbol des Schuhs von Katharina Kasper ein gutes Motiv für die durchaus überschaubare Strecke der Wandergruppe, die mit zahlreichen auch kleinen Kindern sich den Raiffeisen-Campus als Startpunkt ausgesucht hatte. 

 

Beauftragt mit einem online Projekt “The Great Barrier Reef”, haben die Lernerinnen und Lerner der 9a unerwartete Talente gezeigt, die auch in anderen Fächern nützlich sein könnten. Nach einer Vorbereitungsphase, in der sie an das naturwissen-schaftliche Englisch herangeführt wurden, haben sie nicht nur inhaltlich gut durchdachte, sondern auch sprachlich elaborierte Briefe an den australischen Innenminister verfasst. Dabei ging es um Vorschläge, wie man den australischen Riff "The Great Barrier Reef" retten könnte. Ergänzend zu ihren Briefen haben die Lernerinnen und Lerner Powerpoint-Presentationen und Websites mit mehreren Seiten in einem ansprechenden Layout erstellt. Ziel dabei war es, zukünftige Marketingsmöglichkeiten zu eruieren und virtuell darzustellen – eine sehr erfreuliche Überschreitung fachlicher Grenzen.

Die Antwort der Firma Dvision auf unsere Anfrage ist eingetroffen! Ein herzliches Dankeschön an dieser Stelle für die rasche Bearbeitung und die ausführliche Antwort. Wir dokumentieren hier die Antwort unserer Schulkleidungspartnerin, die zeigt, wie wichtig ihr die Thematik ist! Und die erwähnte Broschüre hat die Lerner bereits erreicht.

 

Liebe Frau Groß,

liebe Lerner und Lernerinnen der Klassen 7,

 zunächst vielen herzlichen Dank für die tollen Briefe, die Ihr mir geschrieben habt.

Ich glaube, dass wir uns alle – gerade in den letzten Tagen und Wochen – viel mehr Gedanken um das Thema der Lebensumstände in anderen Ländern machen als jemals zuvor. Viele Menschen flüchten aus Ihrer Heimat wegen Krieg und Diskriminierung, andere versuchen mit Ihrer Flucht nach Europa und Deutschland der Armut zu entfliehen und erhoffen sich bessere Lebensumstände für Ihre Familie und Kinder.

Aus diesem Grund ist es enorm wichtig, dass wir – so gut das geht – Verantwortung dafür übernehmen, dass die Lebensbedingungen in den Entwicklungs- und Schwellenländern verbessert werden.

Die Textilindustrie hatte für die Industrialisierung der Entwicklungsländer schon immer eine Schlüsselrolle gespielt.

Für die Herstellung einfacher Textilien wie T-shirts und Sweatshirts benötigt man „relativ wenig“: Baumwolle, Polyestergarne, Farbstoffe und Nähmaschinen. Vorschriften und Zertifizierungen wie Ökotex Standard 100 verpflichten die Produzenten, keine giftigen Rohstoffe zu verwenden, diese Vorschriften dienen aber zunächst unserem Schutz als Endverbraucher und sind noch keine Garantie dafür, dass die Arbeitsbedingungen der Arbeiter gut sind und dass die ökologische Verträglichkeit im Produktionsland auch wirklich eingehalten werden.

Ich habe 15 Jahre für eine deutsche Textilmarke in Indien und weiteren Ländern in Fernost gearbeitet, sehr viele Produktionsstätten regelmäßig selbst besucht und kenne die Unterschiede.

Gerade deshalb achte ich bei der Auswahl meines Sortiments und der Raiffeisen-Campus-Pluriform ganz bewusst darauf, mit welchen Herstellern ich zusammenarbeite. Die Firma HAKRO ist seit vielen Jahren mein Hauptlieferant, weil ich zum einen von der guten Qualität überzeugt bin und weiß, dass HAKRO schon lange bevor die Textilskandale bekannt wurden, sehr aktiv die Lebensbedingungen der Mitarbeiter in den Produktionsstätten unterstützt und gefördert haben.

Ich kenne die Inhaber Frau Kroll und Herrn Müller persönlich sehr gut und weiß aus erster Hand,  wie verantwortungsvoll nicht nur gedacht und sondern auch gehandelt wird. Deshalb kann ich Euch mitteilen, dass die Frauen und Männer, die für HAKRO Eure Pluriform nähen unter fairen, sicheren Arbeitsbedingungen, für einen gerechten Lohn und freiwilligen Sozialleistungen und mit geregelten Arbeits- und Pausenzeiten arbeiten.

Ende Oktober 2015 erscheint eine Broschüre zum Thema „Werte und Taten“. Hier wird sehr ausführlich beschrieben, wie HAKRO denkt, woran man gute Qualität erkennt, warum langjährige Partnerschaften wichtig sind, und was HAKRO  in den einzelnen Ländern für die Belegschaft, deren Familien und die Umwelt tut. (…) Es werden viele Bilder gezeigt, damit Ihr Euch auch ein wenig vorstellen könnt, wie es in der Türkei und in Bangladesch aussieht.

Wenn es klappt, bringe ich diese Woche für jeden schon eine frisch gedruckte Broschüre mit und schlage vor, dass wir uns bei meinem nächsten Besuch die Zeit nehmen, um uns über das Thema zu unterhalten, wenn Ihr weitere Fragen habt.

Nun noch etwas über die Bestickung der Textilien, den wichtigen Teil in der Produktionskette, der die neutralen Textilien in die Pluriform des Raiffeisen-Campus verwandelt.

Wie Ihr sicher wisst, liegt mir und meinem Team am Herzen, dass Ihr Euch in Eurer Pluriform wohlfühlt und eine Auswahl an Textilien habt, damit es eben keine UNIFORM ist.

Deshalb geben wir uns sehr viel Mühe mit den Anproben und der Musterkollektion, kontrollieren die Textilien mehrfach und sorgen in Handarbeit dafür, dass jeder seine individuelle Bestellung nach Hause geliefert bekommt. Die Bestickung und Bedruckung der Raiffeisen-Campus Pluriform erfolgt hier in Baden-Württemberg auf der Schwäbischen Alb in unseren Partnerbetrieben, mit welchen wir seit zwölf Jahren zusammenarbeiten. Gerne mache ich bei meiner nächsten Tour ein paar Fotos, damit Ihr Euch eine Vorstellung davon machen könnt, wie dort gearbeitet wird.

Es grüßt Euch ganz herzlich Eure

Doris Biermann

Schokolade schmeckt immer gleich gut? Ob mit mehr oder weniger Kakoanteil, ob eine Markenschokolade oder eine unbekannte Firma, sie soll immer gleichbleibend gut munden und Glückshormone ausschütten. Dieser Aussage ging die Cooking II. AG mit ihrer Lehrerin Frau Groß nach und prüfte in der letzten AG-Stunde sieben verschiedene Vollmilchsorten, denn auf diese Geschmacksrichtung hatte sich die Gruppe zuvor geeinigt.

Bevor der Geschmackstest startete, wurde ein bereits durchgeführter und publizierter Text der Stiftung Warentest gelesen, um dort Anregungen für eigene Kriterien zur Bewertung herzuleiten. Somit standen am Ende folgende Bewertungsparameter fest: Verpackung – Preis-Leistungsverhältnis – Geruch – Geschmack – Cremigkeit – Aussehen.

Jeder der Lernerinnen und Lerner hat eine Tabelle mit den Kriterien und den sieben Sorten angelegt, dann hieß es: Her mit der Schokolade! Um ein möglichst breites Schokoladenfeld abzudecken, hat Fr. Groß beim Einkauf auch ein kleines Experiment gewagt und eine vegane Vollmilchschokolade erstanden. Wie diese ankam, erfahren sie am Ende des Artikels.

In kleinen Gruppen erhielten die Lerner alle Sorten auf einem Teller für alle Teilnehmer. Nachdem eine halbe Stunde genussvoll zugegriffen und verköstigt wurde, konnte in der letzten Stunde eine ausführliche Auswertung und Besprechung stattfinden. Als eindeutiger Sieger wurde die berühmte Schokolade mit der Lila-Kuh erkoren, dicht gefolgt von einer Schweitzer Schokolade und einer, die quadratisch praktisch daher kommt. Für lustige Grimassen und verzerrte Gesichter zugleich sorgte die vegane Sorte. Einhellig wurde hier festgehalten, dass diese zwar am besten verpackt sei, jedoch in keinem weiteren Punkt den Vorzug erhielt.

Dieses Ergebnis war auch bei den Profis der Stiftung Warentest oder dem Markencheck vom SWR der Fall – somit sind unsere Lernerinnen und Lerner gute Tester und ausgezeichnete Kenner in der Produktszene.

Mit Beginn dieses Schuljahres hat Schulleiter Bernhard Meffert die Institution Schulversammlung  am Raiffeisen-Campus  eingeführt und damit ein neues Kapitel  in unserem Schulleben geöffnet. Schon nach der zweiten Auflage ist klar:  Die Schulversammlung findet in der Schulgemeinschaft einen besonderen Anklang und stellt eine enorme Bereicherung in unserer Schule dar. Geprägt von unserem Schulkonzept, das für die Vorbereitung  junger Menschen auf die Herausforderungen der Zukunft angelegt ist, hat die  Schulversammlung am RC einen besonders innovativen Charakter: Pünktlich in der zweiten Stunde dienstags trifft sich die gesamte Schulgemeinschaft in unserem Forum, das Anfang dieses Schuljahres in einer kleinen Feier offiziell eröffnet wurde.  

Die musikalische Untermalung und bekannte Lieder, welche die Schulgemeinschaft mitsingt, bilden den Auftakt der knapp einstündigen Schulversammlung, die in einer fröhlichen Atmosphäre  abgehalten wird. Schulleiter Meffert stellt in diesem Rahmen aktuelle Ideen und Projekte für die Entwicklung einer gemeinsam getragenen Schule vor. Anschließend betreten die Geburtstagskinder die Bühne und werden von der gesamten Schulgemeinschaft beglückwünscht und gefeiert. Da Schulleiter Meffert besonderen Wert darauf legt, dass jeder an die aktuelle Entwicklung der Schule einbezogen wird, haben alle schulinternen Gremien während der Schulversammlung die Gelegenheit, ihre Konzepte, Ideen und Vorschläge jeder Art im Plenum zu präsentieren. Sogar aktuelle Projekte aus dem Unterricht werden vorgestellt. Das Ergebnis: Die ganze Schulgemeinschaft (Verwaltung, Lerner und Lehrer) ist auf demselben Informationsstand.

Ein besonderes Highlight unserer Schulversammlung ist die Lobrunde – hier darf jeder jeden loben. Gekürt werden:  Lernerinnen und Lerner der Woche, Lehrerinnen und Lehrer der Woche sowie jeder Mitarbeiter, der in besonderer Weise zum Erfolg unserer Schule beigetragen hat und beiträgt. Hierbei geht es mitnichten um große Taten oder Ideen, sondern um die positive Wirkung unserer täglichen Arbeit auf die Schulgemeinschaft. Über die ganze Schulwoche hinweg wirkt sich die Lobrunde  positiv auf das Lernverhalten der Kinder aus – und nicht nur sie! 

Wer diese unsere noch junge Institution Schulversammlung miterlebt, wird aufgrund einer ebenso simplen wie erstaunlichen Erkenntnis innehalten: Jeder von uns in unserer Schulgemeinschaft  kann als Teil des Antriebs  das innovative Schulprojekt Raiffeisen-Campus mit voranbringen.      

Nachts schlafen die Ratten doch

Innerer Monolog des alten Mannes – Cosima (9a)

Nein, nein, nein, nein, NEIN.

Das kann nicht wahr sein. Wieso? Wieso holt mich das immer wieder ein? Die Vergangenheit sollte vergraben bleiben, genauso wie die Überreste meines toten Bruders. Dieser kleine Junge … erst neun Jahre alt. Wieso sage ich erst? Ich war auch neun als es passierte. Es wurde nie wieder drüber gesprochen, doch nun holen mich die drei verlorenen trostlosen Jahre wieder ein. Drei Jahre lang habe ich gewacht … habe versucht, zu verstehen was passiert ist … Nun bin ich 40 doch eigentlich 37, denn drei Jahre meiner Lebenszeit habe ich nicht gelebt. Ich war emotionslos, meine Gedanken kreisten nur darum meinen Bruder, der da unten lag, zu beschützen. Ich hätte jemanden gebraucht. Ich hätte jemanden gebraucht, der mir erklärt, dass ich meinen Bruder nicht mehr bewachen musste, dass dies nicht meine Verpflichtung sei. Jemanden, der mich aus meinem Loch geholt hätte und mir mein Leben wieder geschenkt hätte. Tag um Tag habe ich gewartet und gehofft. Gehofft auf Leben. Doch der Krieg war vorbei und es gab kein Leben. 1095 Tage habe ich gewartet. Gewartet auf einen Erlöser. Eines Tages kam ein Kleinkind vorbei. Es sah mich an, legte den Kopf schief und betrachtete mich. Aus kindlicher Neugier fragte es mich: "Du, du siehst traurig aus." Ich betrachtete das Kind nun eingehender. Man sah die Kriegsverletzungen an seinen Ärmchen. Die Fingerknöchel waren aufgesplittert und an einer Hand hatte er keine Finger mehr, da sie verbrannt waren. "Meine Mama hat immer gesagt, wenn es einem schlecht geht, soll man ihm Blumen schenken," sagte es und lief davon. Ich sah ihm nach. Mein Kopf war leer. Nachdem ein paar Minuten verstrichen waren, kam es wieder. In der Hand hielt es eine Blume. Wie lange habe ich wohl keine Blume mehr gesehen … Es legte mir die Blume in den Schoß und sah mich freudig an. Ich sah runter. Die Blume … sie sieht so lebendig aus. Bunt, strahlend, nach Pflege sehnend … so wächst sie vor sich hin.Wenn sie nicht gepflegt wird, welkt sie. Dieses kleine Leben berührte etwas in mir. Es war, als würde sich alles, was ich die drei Jahre verborgen gehalten habe, nach Außen kehren. Ich blickte auf, doch da war kein Kind mehr. Ich stand auf, die Blume fest in der Hand, warf einen letzten Blick auf die Trümmerruine hinter mir, wo ich immer meinen Bruder vermutete und ging, ohne einen letzten Blick zurück. Jetzt, so lange Zeit später das gleiche Bild zu sehen … einen kleinen Jungen ohne Hoffnung neben Trümmern, stieß einen Gedanken an.

Nein, nein, nein, nein, NEIN.

So wird es dieses mal nicht sein.

 

 Nachts schlafen die Ratten doch

Innerer Monolog des alten Mannes – Lisa (9a) 

Was für ein interessanter Junge. Ich hoffe ich hab ihm geholfen. Was er schon alles erlebt hat, mit seinen neun Jahren. Ich kann als alter und erfahrener Mann nicht mal den Tod meiner geliebten Frau verarbeiten, obwohl das schon über sieben Jahre her ist. War das mit der Lüge überhaupt in Ordnung? Ich wollte ihm helfen, aber wenn er jetzt die Antwort erfährt, vielleicht kann er das gar nicht mehr verarbeiten. Hatte ich überhaupt eine Wahl? Hätte ich guten Gewissens weg gehen können mit dem Wissen, dass ein neun-jähriger Junge nachts alleine in den Ruinen eines Hauses sitzt? Vielleicht wäre ihm etwas passiert, das hätte ich mir sicher nicht verzeihen können. Nein es war das Richtige in der Situation. Das Leben des kleinen Jürgen ist ein Scherbenhaufen. Krieg, so etwas sollte ein kleiner Junge nicht miterleben müssen, so etwas sollte niemand miterleben müssen. So viele Menschen mussten sterben aus der Ignoranz einiger Menschen heraus. Mütter verloren ihre Kinder, Männer ihre Frauen, Familien wurden auseinandergerissen und kleine Jungen verloren ihre Brüder. Er tut mir so leid. Was kann ich noch tun? Naja, mit der kleinen Elena wird er viel Freude haben. Ich habe das Kaninchen nach meiner geliebten Frau benannt und ich bin sicher, er wird sich gut um das Kleine kümmern. Aber auch als ich mit ihm bei seinen Eltern war, um ihnen zu erklären, wieso sie einen Kaninchenstall bauen sollen, habe ich gemerkt, dass sie sehr trauern. Ich denke, sie sind vollkommen traumatisiert. Ich bin mir nicht mal sicher, ob sie überhaupt gemerkt haben, dass Jürgen nie da war. Verständlich ist es. Wie schlimm muss es sein, sein Kind zu verlieren. Nein, das würde ich nicht vertragen. Zwar Leben meine beiden Kinder weit weg, aber ich weiß, dass es ihnen gut geht. Wie könnte ich die Familie denn unterstützen? Sie brauchen Hilfe, ihr Haus aufzubauen, aber ich als alter Mann bin da keine große Hilfe. Sie brauchen Nahrung, aber ich hab selbst gerade genug, um zu überleben. Ich kann mich aber mit dem Jungen beschäftigen, vielleicht noch ein Kaninchen schenken, die sind nicht gern allein, aber wer ist das schon? Ja, das mach. Es gibt so viel zu tun. Nur gibt es leider auch andere Familien mit einem solch schlimmen Schicksal. Was kann man bloß machen? Ich bin so sauer auf einfach alle Verantwortlichen. Die sollten helfen und wenigstens annähernd versuchen in Ordnung zu bringen, was sie zerstört haben. Doch dies wird nicht passieren. Auch ich kann nicht allen Helfen, aber diesem Jungen. Ich will es versuchen. Ich will ihn zum Lachen bringen. Das ist mein Ziel.

Die Klasse 9a hat in den letzten Wochen verschiedene moderne und traditionelle Kurzgeschichten genauer unter die literarische und sprachliche Lupe genommen. Neben dem Erlernen der klassischen Analyse, um im Anschluss eine schlüssige Interpretation zu verfassen, hatten die Lernerinnen und Lerner von ihrer Deutschlehrerin Frau Groß kürzlich eine etwas andere Art der textlichen Auseinandersetzung.

Im Anschluss an das erste Erfassen und Präsentieren der Analyseergebnisse von Wolfgang Borcherts bekannter Kurzgeschichte "Nachts schlafen die Ratten doch…" sollten die Lernern sich in die Situation des alten Mannes begeben und aus seiner Perspektive einen inneren Monolog schreiben. Wie ergeht es ihm, der selbst den 2. Weltkrieg erlebte und nun auf einen kleinen 9-jährigen Jungen trifft, der vor einer Ruine sitzt und seinen toten Bruder dort bewacht? Was geht ihm durch den Kopf, nachdem er seine Geschichte hört? Kann er ihn mit seiner Lüge aus seinem Tief herausholen und ihm neuen Mut schenken?

Damit die Lernerinnen und Lerner ein erweitertes Verständnis für die Protagonisten erhalten, haben sie sich in die Gedanken- und Gefühlswelt der literarischen Figur versetzt – mit Erfolg! Zwei Beispiele der insgesamt spannenden und gefühlvollen Monologe von Cosima und Lisa (beide 9a) können nun auch alle Leser der RC-Homepage im nächsten Artikel in Augenschein nehmen.